Montag, 9. Februar 2015

Vielleicht werde ich irgendwann doch noch ein Montags-Liebhaber

Es war ein typisch grau-nasser Montag im trüben Bielefeld. Nachmittagsvorlesung hieß das Programm für mich. Nicht der Kracher, aber besser als Montags früh. Ich bin nämlich das Idealbild eines Montagshassers. Das Wochenende verging wieder einmal schnell; zu schnell. Die erste Lesung im Seminar Print-Journalismus war auf der Tagesordnung. Vielleicht etwas naiv, aber hoffentlich nicht unverständlich fragte ich mich insgeheim: "wozu im Jahr 2015 an einer Medienhochschule noch ein extra Seminar über zwei Trimester nur mit Print-Journalismus?"

Ich machte mich aber dennoch auf den Weg, schaden würde es wohl nix. Wir sind ja mit dem manchmal vielleicht nicht ganz glücklichen Fakt gesegnet, nicht anwesend sein zu müssen. Klar nutzt man das auch mal aus, wenn man nun gar keine Lust hat oder sich nicht wohlfühlt, aber im Endeffekt lohnt es sich in den meisten Fällen die Lesung zu besuchen. Und genau so war es heute. In den 1 1/2 Jahren FHM fühlte ich mich nun wirklich verstanden und war mit dem Dozenten zum ersten Mal auf einer Wellenlänge. Und wie!

Die Frage "warum Journalismus?" habe ich mir so in meinem Leben nie gestellt. Für mich war es immer völlig klar, dass ich es machen will. Ich hatte einfach seit jeher Bock drauf. Aus diesem Grund bin ich auch kein wirklich guter Ratgeber in der Frage "wie finde ich meinen Traumberuf und wie arbeite ich darauf hin?". Ich kann diese Problematik gar nicht nachvollziehen, weil ich sie nie erlebt habe. Und wenn ich keine Ahnung habe, gebe ich auch keine Ratschläge. Keine Ratschläge sind nämlich besser als schlechte Ratschläge.

Heute aber, durch die Vorstellungsrunde gezwungenermaßen, habe ich mir die Frage erstmals selber gestellt. Ich konnte sie bis fünf Minuten vor Vorlesungsende nicht beantworten. Dann hat mein Dozent einen Monolog rausgehauen, der mich voll faszinierte. Leider erst der Erste seit ich studiere. Aber der dafür dann gleich in der ersten Sitzung und mit voller Innbrunst und Überzeugung. "Journalismus ist doch geil! Ich gehe mit meiner Neugier an Sachen ran, also auf Entdeckungstour, Dadurch sammle ich Erkenntnisse, die ich verwerten kann und durch meine Position auch noch mit der Welt teilen kann. Und wenn sich die Leute dadurch unterhalten fühlen, habe ich meinen Job perfekt erledigt. Und das ist ein überragendes Gefühl, dadurch zeichnet sich dein Traumjob aus!"

Und ich saß auf meinem Stuhl, völlig geflasht und dachte so: "das ist das, wonach ich in den letzten zwei Stunden gesucht habe. Genau das will ich auch erleben, das ist meine Motivation!" Deswegen möchte ich Journalist, genauer gesagt Kommentator werden. Ich bin kommunikativ und teile meine Leidenschaften gerne mit der Welt. Für den ein oder anderen vielleicht zu extrem, da kann ich mich nicht von freisprechen. Aber in unser heutigen Gesellschaft hat man als Konsument oder Rezipient ja auch die Möglichkeit, sein Angebot auszuwählen und zu filtern. Und wen es nicht interessiert oder es zu viel wird, dem bringe ich vollstes Verständnis entgegen. Ich selektiere ja auch und lese oder schaue nur das, was mich wirklich interessiert.

Mal ganz abgesehen davon, dass der werte Herr Dozent meine "Lebensgeschichte" spannend und interessant fand und sich sofort als Betreuer für meine Bachelorarbeit angeboten hat (wohlgemerkt ungefähr ein Jahr vor der Abschlussphase), war es einfach spannend, was er zu erzählen hatte und wie er auf uns als Kommilitonen eingegangen ist. "Ich sehe euch nicht als Lehrlinge oder Schüler, sondern als Kollegen". Das finde ich, ist ein überragender Satz, den man leider Gottes nur selten hört. Oder auch: "ihr legt hier 'ne ordentliche Stange Geld auf den Tisch für eine Bildungsdienstleistung hin. Und die solltet ihr dann auch gefälligst erhalten - das ist mein Credo". Diesen Satz habe ich noch von keinem Dozenten gehört. Viele sehen es als Job und nicht als Aufgabe. Das ist ein großer Unterschied.

Ich bin jedoch froh, dass es wenigstens diesen einen Herren gibt, der seine Stellung so wahrnimmt. Und der Mann kommt aus Berlin nach Bielefeld angereist. DAS ist Berufung und nicht Beruf. Es scheint mir, als sei es wieder einer von diesen Momenten in meinem Leben, wo einfach das Eine zum Anderen kommt. Die anderen sind folgende: der Studienstart an der FHM fiel so perfekt für mich, dass ich nach meinem Abi im Grunde keine Zeit verlor. Hinzu kommt noch G8 und auch der entfallene Bundeswehrdienst. Allein diese beiden Sachen sparten mir 21 Monate. Mein Praktikum bei Eurosport fiel zwar nicht in den Winter, wie ich es vorher gerne gehabt hätte, dafür aber konnte ich als Letzter in der Öffentlichkeitsarbeits- und Kommunikationsarbeit noch sechs Monate bei Eurosport bleiben UND währenddessen noch am Forum Nordicum und teilnehmen und die Pressereise nach Klingenthal mit auf die Beine stellen. Glück g'hört halt auch dazua!