Montag, 14. März 2016

Selbstbeobachtung, Selbstdisziplin und die Auszeit vom arbeitenden Selbst

Hallo zusammen!
Es ist wieder einiges an Zeit vergangen seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe und auch dieser Blogeintrag ist nur ein kurzes Statusupdate. Auch für mich selbst. Die Lage ist seltsam und das eigene Wesen wird es dann ja gerne auch mal. Im Grunde soll es nur um die drei oben angeteaserten Phänomene gehen.

Phänomen 1: Selbstbeobachtung.
Dieser Prozess ist ungeheuer wichtig bei der Persönlichkeitsentwicklung und -definierung. Und noch wichtiger wird er, wenn einem Dinge auffallen, die entweder vorher noch nicht aufgefallen sind oder vorher noch gar nicht da waren. Dabei ist es auch egal, welche von beiden Theorien jetzt gerade zutrifft. Wichtiger ist vielmehr das einordnen und beurteilen dessen und die Frage: "ist das gut oder schlecht für mich?"
Ich habe bei mir persönlich einige Sachen festgestellt. Seit Wochen, wenn man so will seit Beginn der Schreibphase, gibt es bei mir nur noch ein zentrales Thema: meine Bachelorarbeit und das Ausleben meiner Vorstellungen und meiner Leidenschaft. Das ist prinzipiell erstmal gut und noch besser dadurch, dass ich keinerlei Motivationsprobleme oder dergleichen habe. Wie selbstverständlich sitze ich von morgens um halb zehn bis abends (gerne auch länger als halb zehn) an diesem Werk. Doch darin liegt genau schon der negative Aspekt: viele andere Dinge fallen hintenüber. Dinge, die ich mir vorher noch vorgenommen habe, vernachlässige ich völlig und verschiebe sie auf die Zeit nach dem 18. April. Richtig problematisch wird es dann, wenn grundsätzliche Dinge nicht mehr genug Platz finden. In meinem Fall ist es die regelmäßige Nahrungsaufnahme. Ihr alle kennt mich, ihr wisst um meine Statur und manche auch um mein Gewicht. Manche wissen auch, dass es immer schon derart niedrig war und ich nicht viel dagegen machen kann. Zumindest nicht in der Hinsicht, es nach oben zu treiben. Nach unten hingegen schon und das geht ganz fix. So habe ich innerhalb der letzten drei Wochen drei Kilo abgenommen. Das Mittagessen musste oft so lange warten, bis ich dieses oder jenes Unterkapitel fertig geschrieben, diese oder jene Passage in einem Text fertig unterstrichen oder dieses oder jenes korrigiert hatte. Und das Mittagessen konnte auch gar nicht schnell genug beendet sein, ich muss ja schließlich noch Kapitel 5.3.1.5 schreiben! Nicht cool, sag' ich euch!
Doch bis man das festgestellt und den zweiten Schritt einleitet, vergeht einiges an Zeit...

Phänomen 2: Selbstdisziplin.
Wer kennt es nicht? Man ist sich selbst sein ärgster Bewacher und wohl dem, der sich gut kontrollieren kann. Doch, wer im Rausch ist, kann nicht kontrolliert werden. Er muss erst entschleunigt und entladen werden, dann geht das. Ich bin jemand, der ausschweifend formuliert und dieses ausschweifend auslebt. Nicht umsonst habe ich bei meinem Mentor eine Ausnahmegenehmigung eingeholt, dass ich mehr als die vorgegebenen 50 bis 75 schreiben darf. Bei mir wird es sich um das Drei- bis Vierfache handeln, hatte ich angekündigt. Und ich muss mich arg zusammenreißen, dass es nicht mehr wird. Klar, geht auch einiges durch die Fußnoten, die Abbildungen und Tabellen und Co. verloren, sodass der reine Text sich vermutlich auf 120 Seiten oder etwas in der Richtung beschränkt. Nichtdestotrotz: die Seiten sind voll. Das erfüllt mich selbst, kostet aber auch Nerven, Kraft und in meinem Fall auch Körpergewicht. Diesen Wahnsinn muss ich stoppen und das werde ich auch tun. Der Plan sieht wie folgt aus:

Phänomen 3: die Auszeit vom arbeitenden Selbst.
Am Mittwochmorgen breche ich zu meiner einzigen heurigen Skisprungreise auf. Mehr war in diesem Winter einfach nicht möglich, ohnehin hat mich die Saison nur selten wirklich gepackt. Sie hatte leider phasenweise etwas vom "Titelrennen" in der ersten Bundesliga. Wie auch immer, ich freue mich riesig auf das anstehende letzte Saisonwochenende mit den Skifliegen von Planica, begeisterten Fans, sympathischen und coolen Leuten und ausgelassener Stimmung. Dass ich dort hinfahren wollen würde, stand für mich nie außer Frage, schließlich waren die letzten beiden Ausgaben für mich persönlich echte Highlights. Doch natürlich war die diesjährige Fahrt nur möglich, wenn ich ausreichend viel für meine Bachelorarbeit geschafft hätte. Und das habe ich. Ich hatte mir vorher grob gewünscht zwei Wochen vor Abgabe fertig zu sein, um genügend Zeit zum Korrekturlesen und Formalia erledigen zu haben. Rein rechnerisch brauche ich nun noch sieben bis zehn Schreibtage, um fertig zu werden. Selbst wenn es zwei mehr werden sollten, bin ich mehr als im Soll. Und diese Erkenntnis führte nun dazu, dass ich die Intensität heute drastisch zurückgeschraubt habe, um Vorfreude auf Planica zu entwickeln, Reisevorbereitungen zu treffen und irgendwo auch den Kopf wieder freizubekommen. Nur, wenn ich morgen den absoluten Wille und die pure Lust aufs Schreiben verspüren sollte, werde ich noch einmal das ominöse Dokument öffnen und etwas tun. Ansonsten trenne ich mich für gut eine Woche von meiner Freundin Bachelorarbeit.

Und damit trenne ich mich auch von diesem Blogeintrag. Für mich ist er eine Art Tagebucheintrag und für euch ja vielleicht ein interessanter Einblick in den Alltag eines vermutlich wahnsinnigen Bachelor-Absolventen.
In diesem Sinne, schon mal frohe Ostern und auf bald!
Euer Luis