Der zweite Monat ist bei Eurosport ist nun also vorbei.
Neben dem zweiten Gehalt steht vor allem die Erkenntnis, dass ich rundum glücklich mit meiner Berufs-/Karrieresituation bin. Aus meiner anfänglichen Skepsis, ob die Stelle wirklich hundertprozentig passt, hat sich ein richtiges Wohlgefühl entwickelt, was mich zu mehr motiviert: sowohl Arbeit als auch Persönlichkeitsenwticklung.
Ich übernehme jetzt teils Aufgaben von anderen Mitarbeitern wie Recherche, Mitarbeit am Teletext oder auch das Schreiben von Pressemitteilungen.
Um das Ganze nicht wie eine Selbstbeweihräucherung aussehen zu lassen nur kurz: die Integration ins Team leif reibungslos, beide Seiten profitieren voneinander und ich kann mir sehr gute Chancen ausrechnen, wiederkommen zu dürfen - in welcher Position auch immer. Das werde ich auch tun, denn ich kann nichts, aber auch gar nichts schlechtes über meinen Arbeitgeber sagen. Die Kollegen sind klasse, jeder Tag macht Spaß und es warten immer wieder neue Herausforderungen.
Damit sind wir elegant auch schon wieder bei der nächsten Woche: in dieser muss/darf ich meinen Chef vertreten, also mich eine Woche lang "Leiter Programmkommunikation" nennen. Aus diesem Grund werde ich nächste Woche wieder täglich bloggen und euch daran teilhaben lassen, wie mein Arbeitsalltag so aussieht. Denn das kam mir bislang etwas zu kurz, denn an sich war die Idee des Blogs ja aus dem Arbeitsalltag zu berichten und nicht Abhandlungen über das Sportgeschehen zu schreiben.
Aber so bin ich nunmal.
In diesem Sinne schon mal ein schönes Wochenende und bis spätestens Montag!
Hi folks, today it is finally time again to write in English.
The second month of my Eurosport journey is over now. Beside the second salary, I can conclude that I am totally happy with my business-/career status. My skepticism at the beginning of whether the job is fitting 100% to my personality and my skills turned into a total sense of being. This motivates me to work more and harder and also to develop my personality.
I am solving tasks and exercises for/of other collegaues now like doing researches, works for the teletext or writing press releases.
I don't want to make this blog entry look like a self-adulation, so just let me say: the integration into the Eurosport team worked really well, both sides do profit from each other and I have good chances to come back in some time - not sure about the exact job then. I am pretty sure I will do so, because I cannot say anything bad about my company. The colleagues are great, every day is fun and there are always new challenges appearing.
That's how I wanted to build the bridge to the next week: in this next week, I will have to act in place of my boss, so I can call myself "Conductor of programme communication". Due to this fact, I will write a blog entry every day and share my experiences in this special week with you. That has actually been a bit less part of this blog, because the main idea of this blog was to tell you about my daily work routine and not to write about sports events and happenings. But hey, that's the way I am.
I already wish you a nice weekend and maybe I can manage to report the next week even in English, but I can't promise!
Donnerstag, 31. Juli 2014
Sonntag, 27. Juli 2014
Eine Revolution, die sein muss? Aus meiner Sicht nicht
Hallo zusammen!
Schön, dass ich heute endlich mal wieder über mein liebstes
Kind - das Skispringen - philosophieren kann.
Wie die meisten von euch wissen, ist dies das erste Wochenende des Sommer Grand-Prix.
Wie die meisten von euch wissen, findet es in Wisła (Polen) statt.
Wie die meisten von euch wissen, hätte ich das gerne in Hinterzarten gesehen und verbracht.
Doch darum, soll es nicht gehen. Jetzt, nachdem der erste Wettkampf nach neuem Modus absolviert ist, erlaube ich mir mal ein erstes Fazit zu ziehen.
Wie die meisten von euch wissen, ist dies das erste Wochenende des Sommer Grand-Prix.
Wie die meisten von euch wissen, findet es in Wisła (Polen) statt.
Wie die meisten von euch wissen, hätte ich das gerne in Hinterzarten gesehen und verbracht.
Doch darum, soll es nicht gehen. Jetzt, nachdem der erste Wettkampf nach neuem Modus absolviert ist, erlaube ich mir mal ein erstes Fazit zu ziehen.
Am besten wäre es vielleicht, die Sache nochmals zu
erklären, damit auch alle wissen, worum es genau geht und welchen Punkt ich in
meiner Bewertung betrachte und wie ich argumentiere:
Zur Qualifikation: Die Zeiten, in denen die
Qualifikation ein eigenständiger Gegenstand eines Skisprungwochenendes war,
sind vorbei. Und auch die Reduzierung der teilnehmenden Athleten auf 50 ist
Geschichte.
48 sind es, die den Sprung in den Wettkampf schaffen. Zwei weniger als vorher, aber dann doch acht mehr als gewohnt, weil der Modus ja beim Skifliegen zum Einsatz kommen soll. Die Top 10 des Gesamtstandes ((Skiflug-)Weltcup bzw. Sommer Grand-Prix) sind vorqualifiziert, das heißt, dass 38 der anderen Athleten den Sprung in den Wettkampf schaffen können. So weit, so gut.
48 sind es, die den Sprung in den Wettkampf schaffen. Zwei weniger als vorher, aber dann doch acht mehr als gewohnt, weil der Modus ja beim Skifliegen zum Einsatz kommen soll. Die Top 10 des Gesamtstandes ((Skiflug-)Weltcup bzw. Sommer Grand-Prix) sind vorqualifiziert, das heißt, dass 38 der anderen Athleten den Sprung in den Wettkampf schaffen können. So weit, so gut.
Anders als vorher jedoch, fließen die Punkte und die Platzierung der Top 10 nun ab sofort mit in die Wertung ein. Das heißt, schwächere Quali-Sprünge kommen sofort zur Geltung. Und der Quali-Sieger kann nun auch ein Vorqualifizierter sein, so wie Peter Prevc an diesem Wochenende. Das finde ich gelungen. Das Ziel der Aktion, die Qualifikation aufzuwerten gelingt so auf diese Weise, weil die Top 10 diesen Durchgang ernst nehmen.
Was aber die Schattenseite der Regel ist, hat sich klar herausgestellt: verpatzt ein Top-Athlet, wie am Donnerstag ein Herr namens Kamil Stoch, ist der Wettkampf für ihn quasi schon gelaufen, denn: die Athleten nehmen das Qualifikationsergebnis mit in den eigentlichen Wettkampf. Im Falle von Stoch war das eine geringe Punktzahl aufgrund des 47. Platz oder umgekehrt. Kurzum: seine Siegchancen gingen gegen Null. Schlimmer noch: er kam nicht einmal in das Finale, den zweiten Durchgang. Und bereits da zeigte sich, dass das nicht die Lösung sein kann.
Zum eigentlichen Wettkampf: um schon mal
folgendes als Disclaimer voranzuschieben - Achtung, es wird kompliziert! Die 48
Teilnehmer des ersten Durchgangs nehmen also ihre Punktzahl aus der
Qualifikation mit und werden in vier Gruppen á zwölf Springer eingeteilt
(4x12). Diese sind gleich stark, zumindest wenn man die Platzierungen der
Qualifikation zurate zieht. Dann sieht das Ganze wie folgt aus (dahinter der
Athlet, der heute in der Gruppe am Start war):
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
45 KLUSEK 46 TEPES 47 STOCH 48
G. MIETUS
44 ITO 43 MAKSIMOCHKIN 42 KORNILOV 41 KRANJEC
37 FETTNER 38 BIEGUN 39 WATASE 40 BOYARINTSEV
36 ZNISZCZOL 35 KRAFT 34 KRAUS 33
MURANKA
29 MATURA 30 HLAVA 31 KOZISEK 32
DEZMAN
28 DESCHWANDEN 27
SHIMIZU 26 HULA 25 WOLNY
21 PUNGERTAR 22 NAGLIC 23 KOBAYASHI 24 EISENBICHLER
20 WANK 19 HAJEK 18 KUBACKI 17 JANDA
13 HILDE 14 DIETHART 15 ZIOBRO 16 SCHLIERENZAUER
12 GEIGER 11 HAYBOECK 10 FREUND 9 AMMANN
5 WELLINGER 6 STJERNEN 7 KOT 8
FREITAG
4 VELTA 3 ZYLA 2
FANNEMEL 1 PREVC
Es wird gruppenweise gesprungen, also erst die komplette
Gruppe A, dann Gruppe B, es folgt Gruppe C und Gruppe D finalisiert den
Durchgang. Was für den Zuschauer irritierend ist, ist die Tatsache, dass die
Jungs wie gewöhnlich die Bibs 48-1 tragen. Nur haben sie bei keinem der Starter
etwas mit der Platzierung zu tun, was die Verständlichkeit nochmal erschwert.
Wir erinnern uns zurück: zu alten Zeiten trugen bei gewöhnlichen Weltcup-Wettkämpfen die zehn besten des Gesamtstandes die Nummern 41-50 (beim Skifliegen 31-40). Und jetzt?
Jetzt trägt der 28. der Qualifikation das Leibchen mit der
Nummer 6. Das ergibt Sinn, aber nur, wenn man weiß, dass das System so
funktioniert. Und das verstehen die wenigsten - ich selbst musste mich auch
durchkämpfen. Und wenn mir mein guter Freund Brian sagt, dass einige Bekannte
von ihm sich nach der Erfindung der Wind- und Gate-Regel sich vom Skispringen
verabschiedet haben, dann ist mit diesem Modus jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo
sich auch eingefleischte Fans ernsthaft die Frage stellen, ob sie sich das noch
antun. Selbst einige Athleten haben bekundet, dass sie nicht durchblicken (etwa
Prevc, Wellinger oder auch Kot).
Mein Kollege Dirk Thiele sagte in seinem Kommentar beim
gestrigen Springen, dass er es gut findet, dass die Qualifikation mehr Wert
erhält. Zugleich äußerte er aber auch, dass er als Kommentator viel mehr auf
den Modus eingehen muss und, dass das Wettkampfgeschehen so nur im Hintergrund
eine Rolle spielt. Das System ist für Laien nicht nachvollziehbar und auch ihm –
den ich für sehr kompetent in seinem Metier halte – fiel es schwer, das System
ohne irgendwelche Versprecher oder sonstiges rüberzubringen. Hinzu kam noch,
dass auch er scheinbar nicht mit der Zusammensetzung der Gruppen klar kam.
Ich selber habe mir den Spaß gemacht, den ersten Durchgang
zu kommentieren – einfach so als Übung. Ich habe mich gefragt: wie würde ich
meinen Zuschauern den neuen Modus erklären und zwar so, dass es jeder auf
Anhieb versteht? Ich habe mir die Aufnahme soeben angehört und mir ist schon
während des Redens in den Kopf gekommen: kommentiere ich hier einen
Skisprung-Wettkampf oder seine Regeln? Jetzt im Nachhinein muss ich leider
feststellen, dass es sich eher nach einer Gebrauchsanweisung anhört als nach
einem Bericht von einem Sportereignis. Und das kann doch nicht das Ziel der
Aktion gewesen sein.
Was Walter Hofer, wie auch mir teilweise, gut gefiel war der
Spannungsbogen des Wettkampfes. Man kennt es ja, dass man auch mal die ersten
20 Leute einer Konkurrenz versäumen kann, wenn man noch etwas vorhat, weil man
sich drauf einstellen kann, dass es erst bei den letzten 15 so wirklich um die
Wurst geht. Das ist nun anders. Hier geht es (je nach Abstand nach der Quali)
schon ans Eingemachte, wenn die letzten drei einer jeden Gruppe kommen. Doch
auch das hat wieder eine Schattenseite: völlig unbewusst sagte ich in meinem
Kommentar: „Andi Wank ist schon sehr früh im Wettbewerb dran. Wird ihm das
etwas ausmachen? Er ist das nicht gewohnt“. Gleiches galt für Andreas Wellinger
mit der Nummer 12. Marinus Kraus tat zwar kund, dass es ihm besser gefalle,
dass jeder Athlet nun mehr Zeit habe. Aber so gesehen verändert sich ja nicht
viel. Hat man eine frühe Nummer, muss man lange warten, bis man bei einem
erfolgreichen Sprung zum zweiten Durchgang antritt. Hat man eine späte Nummer,
muss man erst warten, bis man dran kommt, um dann zum zweiten hochzuhetzen,
wenn der Sprung eben nicht so toll ist.
Andreas Wellinger war lange Zeit in Führung und musste auf
den Ausgang des ersten Durchgangs warten, um irgendwie auszuloten, wie er denn
nun seine Vorbereitung auf den zweiten Durchgang timt. Früher war das anders.
Hat man mit Startnummer 46 beispielsweise den ersten Platz, weiß man genau,
wann man zum zweiten Durchgang im Aufwärmraum sein sollte. Und das geht nun
völlig verquer. Einen positiven Effekt könnte die Regel aber doch haben: der
Zuschauer bleibt mit den Augen am Bildschirm oder auf der Schanze, weil er
weiß, dass es jederzeit einen Führungswechsel geben kann.
Doch auch darin liegt schon das nächste Problem: es ist
alles intransparent. Das Problem ist auch den FIS-Verantwortlichen aufgefallen.
Also a) einmal die von mir schon erwähnte Sache mit den Startnummern. Dass die
Gruppen nicht klar genug voneinander getrennt gewesen seien, ist mir jetzt
nicht aufgefallen, dafür vielmehr aber die missverständliche Bekanntgabe der Punkte
und Platzierungen. Hat man – wie ich – während des Springens den FIS
Live-Ticker offen ist man auf zwei Ebenen verwirrt: im Ticker werden die
Springer anhand ihrer Punktzahl und des Gesamtstandes gelistet. Bei den
Grafiken während des Springens ist das bis Abschluss eines Durchgangs nie der Fall. Die Grafiken, die von der
Regie – die indes wahrscheinlich total aufgelöst war ob des Wusts an neuen
Reglementierungen – während des Springens eingespielt wurden waren folgende:
1. Die übliche vor dem Start des Athleten mit dem
Namen, der Fahne, Startnummer und Ampel und ergänzend dazu nun die Current
Points, also die Qualifikationspunkte.
2. Die übliche nachdem der Computer das Ergebnis
für den Sprung ausgerechnet hat: also Weite, Weitenpunkte, Noten, Notenpunkte, Gesamtpunkte
des Durchganges und Gesamtpunkte (Quali mit eingerechnet). Dahinter steht dann
eine Platzierung, die für den Platz in der jeweiligen Gruppe steht – aber, wo
der Springer im Gesamtfeld steht, wird nirgendwo erwähnt. Außer im Ticker und das
sorgt für nichts als Konfusion.
3. Die Platzierungen aller zwölf Athleten nach
Beendigung der Gruppe. Die Grafik ist wiederum sehr gelungen, weil sie klar
darstellt, wer weiterkommt und wer nicht.
Das Gesamtergebnis kommt erst nach Ende des Durchganges ins
Bild, aber auch die verwirrt stark, weil sie im Vergleich zur letzten Saison
unbearbeitet gelassen wurde, obwohl das Not getan hätte. Es tauchen immer zehn
Athleten auf jeder dieser Tafeln auf, also die Plätze 1-10, 11-20 und dann
21-30, obwohl ja nur 24 Athleten in den zweiten Durchgang kommen. Jetzt stelle
ich mir vor, meine Oma sieht das. Sie wird denken, dass sich nichts verändert
hat: „30 Leute also im Finale, ist doch klar“. Aber das ist ja falsch. Es
sollten nur acht Athleten auf jeder Tafel stehen und dazu noch dieses Banner,
wie in der Qualifikation, wo dann statt „Qualified for 1st Round“, dann „Qualified
for Final“ oder „Qualified for Second Round“ steht. Aber die Liste wird einfach
weitergeblättert, sodass Laien gar nicht mehr wissen, was Sache ist.
Dieser Fakt ist das größte Negativum an der ganzen
Geschichte: ein Laie mit durchschnittlichem Geduldsfaden und Offenheit wird
sich dem neuen Modus nicht widmen (wollen), weil es zu viel Kleinklein und
Neues ist. Es hat nicht jeder die Zeit und die Lust sich tagtäglich – wie ich
es gerne tue – mit dem Skisprungeschäft auseinanderzusetzen. Dafür fordert der
neue Modus einfach viel zu viel geistige Anstrengung und vor allem auch Zeit.
Sicher aus meiner Sicht zumindest eins: so ist es nahezu unmöglich neue Fans zu
gewinnen. Das K.O.-System bei der Vierschanzentournee ist vielleicht nicht
gerecht, aber man versteht es wenigstens. Das ist bei diesem 4G-Modus nicht der
Fall.
Im Gegenteil: es scheiden noch mehr Leute aus, die an sich
die ausreichende Punktzahl gehabt hätten, um den zweiten Durchgang zu
erreichen, aber durch den siebten oder achten Platz in ihrer Gruppe einfach aus
dem Rennen sind. Und gerade beim Skifliegen – wo der Modus ja zum Einsatz
kommen sollte – ist das ein Unding. Es kommen ja nur die besten sechs einer
jeden Gruppe weiter, das heißt: 50 % der Athleten scheiden aus. Zu früheren
Zeiten waren es 25%. Man erhöht so vielleicht – was auch zweifelhaft ist – zwar
die Qualität des Wettkampfes, aber gerecht ist es nicht. Für diese These war
der gestrige Wettbewerb ein starkes Indiz: der Deutsche Markus Eisenbichler ist
in seiner Gruppe Sechster geworden und sicherte sich so das Finalticket. Seine
Punktzahl: 235,7. Die beiden Polen Maciej Kot und Kamil Stoch, die in der
Gruppe C sprangen erlangten 238,5 und 236,7 Punkte. (Quelle: http://data.fis-ski.com/pdf/2015/JP/3708/2015JP3708RL1.pdf).
Sie wären bei jeder anderen Wettkampfform in den Finaldurchgang gekommen.
Spätestens das ist der Tropfen, der das Fass aus meiner Sicht zum Überlaufen
gebracht bei der Frage, ob der Modus gut oder schlecht ist.
Ich plädiere für eine andere Lösung: den Modus beim
Skifliegen so beibehalten wie er ist. 40 Starter sind ideal. Die einfachste
Art, die Qualifikation aufzuwerten ist die von den Kollegen Thiele und Siegmund
geforderte Variante: finanzielle Entlohnung. Ich finde bei der jetzigen
Qualifikationsart gut, dass auch die Vorqualifizierten ihren Punkten
entsprechend in das Ergebnis eingeordnet werden, anstatt eine eigene Gruppe und
Wertung zu bilden. Das gleicht ja auch mehr einem zusätzlichen Trainingssprung –
sofern die Herren überhaupt teilgenommen haben. Ich finde, sie sollten im
Gesamtergebnis berücksichtigt werden.
Deshalb: genau das machen und um die
finanzielle Seite zu lösen: einen Teil des Preisgeldes einstreichen und dieses
in der Qualifikation auf die ersten drei oder zehn verteilen – je nachdem wie
es sich anbietet. Dann bleibt alles so wie vorher und nichts wird komplizierter
gemacht als es ohnehin (manchmal) schon ist. Der Sport ist gut, so wie er ist
und spannend genug ohnehin. Gerade durch die Wind- und Gate-Regel, der besten
Erfindung der vergangenen Jahre. Ich bin in der Hinsicht Skispringen konservativ
seitdem die letzte – für mich eklatante – Lücke durch diese Regel geschlossen
wurde und halte das System der vergangenen Jahre plus die nun genormten Anzüge
für gelungen. Diese Abhandlung geht gegen keine Person – ganz im Gegenteil –
ich möchte nur auf eine Gefahr, die man sich nun durch diesen neuen Modus „gezaubert“
hat aufmerksam machen und möchte, dass der Sport so bleibt wie er war.
Euer Luis
Sonntag, 20. Juli 2014
11 Freunde müsst ihr sein - 23 ist aber besser, zeigt uns Joachim Löw
Die ausführliche Abhandlung aller 23 Spieler des DFB-Team muss leider entfallen. Stattdessen fahre ich ein reduziertes Ersatzprogramm:
Fußball ist ein Sport der Floskeln und Phrasen.
Aus diesem Grund ist es allzu normal, dass man sich dieser - wie ich auch in der Überschrift - bedient.
Ein Wort, das unser Bundestrainer die gesamte Vorbereitung und auch die WM über gepredigt hat, ist: Spezialkräfte. Und davon hatte er eine ganze Menge. Nicht nur 11 Freunde, wie es ja im Ursprung heißt. Nein, das gesamte Team. Also: Kader, Trainer- und Betreuerstab und die 80 Millionen daheim im deutschen Lande, sowie die paar Tausend vor Ort in Brasilien. Jeder hat für den anderen alles gegeben.
Siehe im Finale:
Manuel Neuer riskierte Kopf und Kragen, wenn es sein musste. Unter anderem, weil Mats Hummels ab der 70. Minute nicht mehr wirklich konnte. Dessen Fehler glich Jérome Boateng mit überragenden Aktionen immer und immer wieder aus. Auch Toni Kroos war nicht auf voller Höhe.
Dafür kämpfte Mesut Özil bis zum umfallen und Basti Schweinsteiger steckte Tritte und teilweise sogar Schläge für drei ein. Für den vierten Stern, den Traum aller Deutschen (Fans). Und das klappte!
Zum Abschluss noch ein paar Worte zu Philipp Lahm: er hat die smarteste Entscheidung getroffen, die man überhaupt nur treffen kann. Im Höhepunkt aufhören. Mehr als Weltmeister geht nun mal nicht und eine WM mit 34 scheint unrealistisch, ist er doch schon mehr als fünf Jahre Weltklasse auf seinen Positionen. 10 Jahre wäre auch für ihn zu viel. Man sieht derzeit an Gerard Piqué, dass der Weg von Weltklasse zum Durchschnitt erstaunlich kurz ist. Und die Frage, wer sein Nachfolger wird, stellt sich für mich nicht.
Den Mann haben wir im Finale gesehen: er trug die Nummer 7 und krönte sein Comeback mit einem grandiosen Spiel und dem lang ersehnten Titel. Und sollte auch Schweinsteiger seine Karriere beenden oder das Amt ablehnen, findet sich auf jeden Fall jemand anders.
Ich bin indes gespannt, ob und wenn ja, wann wir Holger Badstuber zurück sehen werden. Denn ohne seine Verletzungen wäre er zumindest dabei gewesen - das haben auch die Verantwortlichen immer wieder ausdrücklich betont.
Euch einen guten Start in die Woche!
Fußball ist ein Sport der Floskeln und Phrasen.
Aus diesem Grund ist es allzu normal, dass man sich dieser - wie ich auch in der Überschrift - bedient.
Ein Wort, das unser Bundestrainer die gesamte Vorbereitung und auch die WM über gepredigt hat, ist: Spezialkräfte. Und davon hatte er eine ganze Menge. Nicht nur 11 Freunde, wie es ja im Ursprung heißt. Nein, das gesamte Team. Also: Kader, Trainer- und Betreuerstab und die 80 Millionen daheim im deutschen Lande, sowie die paar Tausend vor Ort in Brasilien. Jeder hat für den anderen alles gegeben.
Siehe im Finale:
Manuel Neuer riskierte Kopf und Kragen, wenn es sein musste. Unter anderem, weil Mats Hummels ab der 70. Minute nicht mehr wirklich konnte. Dessen Fehler glich Jérome Boateng mit überragenden Aktionen immer und immer wieder aus. Auch Toni Kroos war nicht auf voller Höhe.
Dafür kämpfte Mesut Özil bis zum umfallen und Basti Schweinsteiger steckte Tritte und teilweise sogar Schläge für drei ein. Für den vierten Stern, den Traum aller Deutschen (Fans). Und das klappte!
Zum Abschluss noch ein paar Worte zu Philipp Lahm: er hat die smarteste Entscheidung getroffen, die man überhaupt nur treffen kann. Im Höhepunkt aufhören. Mehr als Weltmeister geht nun mal nicht und eine WM mit 34 scheint unrealistisch, ist er doch schon mehr als fünf Jahre Weltklasse auf seinen Positionen. 10 Jahre wäre auch für ihn zu viel. Man sieht derzeit an Gerard Piqué, dass der Weg von Weltklasse zum Durchschnitt erstaunlich kurz ist. Und die Frage, wer sein Nachfolger wird, stellt sich für mich nicht.
Den Mann haben wir im Finale gesehen: er trug die Nummer 7 und krönte sein Comeback mit einem grandiosen Spiel und dem lang ersehnten Titel. Und sollte auch Schweinsteiger seine Karriere beenden oder das Amt ablehnen, findet sich auf jeden Fall jemand anders.
Ich bin indes gespannt, ob und wenn ja, wann wir Holger Badstuber zurück sehen werden. Denn ohne seine Verletzungen wäre er zumindest dabei gewesen - das haben auch die Verantwortlichen immer wieder ausdrücklich betont.
Euch einen guten Start in die Woche!
Donnerstag, 17. Juli 2014
Wer alle Prüfungen besteht und "wer das Endspiel gewinnt, der ist Weltmeister" - eine Kollaboration von Franz Beckenbauer und mir
Herzlich Willkommen also zur kleinen, feinen WM-Rückblicksserie.
Beginnen möchte ich heute mit einer kurzen Abhandlung aller deutschen Spiele im Laufe des Turniers und erklären, wieso ich spätestens nach dem Algerien-Spiel fest der Überzeugung war, dass das deutsche Team den vierten Stern erhalten wird.
Viel Spaß!
1. Vorrundenspiel gegen Portugal, Ergebnis: 4:0.
"Lieber direkt zum Auftakt eine Mannschaft kriegen, die richtig fordert", habe ich mir vor der WM-Auslosung gewünscht. Und der Zufall oder das Schicksal hat es so gewollt.
Aber wie man im Turnierverlauf erkennen konnte: Portugal war keine wirkliche Mannschaft. Das hat selbst Cristiano Ronaldo eingesehen, der seinerseits ebenfalls ein unterdurchschnittliches Turnier spielte.
Letztendlich lief alles wie am Schnürchen: der Elfer, den man geben kann, aber nicht muss. Das 1:0, die provozierte Tätlichkeit von Pepe, ein brillanter Kopfball von Mats Hummels und zwei typische Müller-Tore sorgten für einen Auftakt nach Maß. Löws Team nutzte konsequent alle sich bietenden Chancen. Ein wichtiger Faktor im Turnierverlauf.
2. Vorrundenspiel gegen Ghana, Ergebnis 2:2.
Ein zähes, kampfbetontes Spiel gegen einen sich wehrenden Gegner sollte es werden. Das war nun ein Härtetest, wie man ihn auch braucht. Das erste Spiel ging von sich aus nach Deutschland, nun wurde alles gefordert: Kampfgeist, Kraft, Kondition und auch mal unkonventionelles. Und auch Miro Klose. Sein 15. WM-Tor war unglaublich wichtig. Das Tor von Götze per Knie war zwar mit Glück, aber auch gut gemacht. Und dann glich Klose das 2:1 von Asamoah Gyan aus. Es sollten die letzten acht (8!) Minuten des Turniers bleiben, in denen das Team zurücklag. Ich bin der Meinung, dass in diesem Charaktertest der letzte fehlende Grundstein für das erfolgreiche Abschneiden im Turnier gelegt wurde. Man hat den Schock eines Rückstandes nahezu postwendend verkraftet und - wenn auch nicht schön - zählbares mitgenommen.
3. Vorrundenspiel gegen USA. Ergebnis: 1:0.
Da muss man gar nicht so viel zu sagen: Pflichtaufgabe erledigt. Hinten nicht viel zugelassen und mitten in einer Drangphase das wichtige 1:0 gemacht. "Ich habe endlich auch mal ein schönes Tor geschossen", sagte Thomas Müller danach. Wie recht er doch hatte! Und man hatte nach den zwei Gegentoren gegen die Ghanaer bewiesen, dass man auch gegen willensstarke Amerikaner nicht viel zulassen würde. Nachdem Löw für seine vier-Innenverteidiger-auf-den-vier-Abwehrpositionen-Taktik nach dem Ghana-Spiel förmlich zerrissen wurde, bewies dieses Spiel, dass es eben doch die richtige Taktik ist.
Achtelfinalspiel gegen Algerien. Ergebnis: 2:1 n.V..
Dass die Wüstenfüchse eine zähe und unberechenbare Mannschaft sind, haben sie allein durch ihr Weiterkommen bewiesen. Und rennen konnten die schon immer. Sie haben auch bei weitem nicht so defensiv gespielt, wie manch einer erwartet hätte. Das kann man auch anhand der Anzahl der Ausflüge Manuel Neuers auch ganz leicht belegen. Zugegebenermaßen hatte ich schon bei der ersten Aktion von ihm die ersten Ängste und das war bis zum Schlusspfiff auch nicht anders. Und dennoch waren zwei Sachen herausragend und auffällig: die Erfahrung aus dem Ghana-Spiel, wie es ist gegen so einen taffen Gegner spielen zu müssen, kam hier eindrucksvoll zur Geltung. Keiner verlor die Nerven und man spielte weiterhin konzentriert und zielstrebig. Und: André Schürrle ist DER Joker überhaupt. Genau in solchen Situationen kann man ihn bringen, dann ist er effizient. Er ist noch nicht komplett genug für die Startelf.
Aber für tabulose Tempodribblings gegen müde Verteidiger ist er der Beste. Er hat das Spiel entschieden und das sollte auch noch ein weiteres Mal so sein...
Viertelfinalspiel gegen Frankreich. Ergebnis: 1:0.
In diesem Spiel siegte definitiv die Abwehr. Es ging gegen die bis dato - für mich - beste und überzeugendste Mannschaft des Turniers. Doch die schien der größten Herausforderung nicht ganz gewachsen zu sein. Die Franzosen hatten Chancen, gute sogar. Doch der wuchtigste Kopfball, den ich seit dem Vorrundenspiel gegen Portugal (haha) gesehen habe und ein Neuer (Wortwitz!) Titan im Tor brachten uns ins Halbfinale. Und was das für ein Spiel war, das erzählen wir noch unseren Enkeln, das sage ich euch!
Halfinalspiel gegen Brasilien. Ergebnis; 7:1.
Bis heute rätseln Fachforscher, was denn da eigentlich genau passiert ist. Wie konnte es zu dem höchsten Sieg überhaupt in der K.O.-Phase der WMs kommen? Meine Theorie ist Folgende:
Die Brasilianer lebten bis zu diesem Spiel von den beiden Spielern, die NICHT teilnehmen konnten respektive durften - Neymar und Thiago Silva. Ein Genie am Ball und einer der besten Innenverteidiger des noch jungen Jahrtausends. Es lastete ein ungeheurer Druck auf sie und dem waren sie nach dem Ausfall dieser beiden Stützen nicht mehr gewachsen. Den Spielern sah man nur beim Hymnen-Singen an, dass sie wollten. Den Deutschen ab eine Minute vor Anpfiff bis nach dem Spiel. Und so kam es, dass der Sympath Dante zur ärmsten Sau des Turniers wurde. 90 Minuten gegen seine besten Kumpels und er bekam sieben Gegentore eingeschenkt. Die ersten fünf davon in den ersten 29 Minuten dieses bekloppten Fußballspiels.
Doch nicht nur er: sondern auch Torwart-Opa Julio César, Tahiti-Bob-Double David Luiz und neben weiteren Weltklassespielern auch Fred, der mir dann doch irgendwann Leid tat, als er ausgepfiffen wurde. In den ersten 10 Minuten stürmten die Brasilianer vogelwild und durchgedreht auf das deutsche Tor - ohne Konzept und ohne Gefahr. Und dann steht nach einer wunderbaren Ecke und einem cleveren Block von Mats Hummels gegen David Luiz Thomas Müller mutterseelenallein am Elfmeterpunkt vor dem Tor und netzt cool ein. Viele vergessen, dass es dann ja nochmal 12 Minuten bis zum nächsten Tor gedauert hat. Also diesen Schock haben die Gastgeber noch gut verkraftet. Aber dann kam der ewige Klose und zwang den Mann, der ihm vor dem Turnier eine Verletzung gewünscht hat, dazu, zuzugeben, dass er doch ein Tor mehr geschossen hat als eben dieser Ronaldo.
Dann schien für das Team von Luiz Felipe Scolari eine Welt zusammenzubrechen. Zwei technisch hochwertige Tore von Toni Kroos und dann noch ein Khedira-Tor, was wunderbar herausgespielt war, manifestierten das 5:0 zur Pause. Die Mannschaft von Joachim Löw spielte gnadenlos effektiv und trat den am Boden liegenden Gegner nochmals K.O.
Das 7:0 war dann die Kirsche auf der Sahnetorte, der i-Punkt auf dem I oder auch das Trinkgeld auf der Rechnung: Schürrle schaut nicht, wo das Tor steht, sondern er weiß es und zieht ab. Und solch ein Tor gelingt nur an einem Sahnetag. Das 7:1 ist dann lediglich der Tintenklecks auf einem ansonsten fantastisch gemalten Aquarell.
Finale gegen Argentinien. Endstand: 1:0.
Dies ist das letzte Spiel in der Kette Ghana-Algerien-Argentinien. Allein am Spiel Bastian Schweinsteigers kann man festmachen, was die Tugenden waren, die nötig waren und zutage getreten sind, um letztendlich diesen Titel zu erringen. Neben ihm hat Jérome Boateng das wohl beste Spiel seiner Karriere gemacht.
Das Spiel dürften alle gesehen haben und jeder hat seine eigene Meinung dazu.
Der Blog-Artikel ist nun lang genug und wir wollen es auch dabei belassen.
Meiner Meinung nach ist es eine Kette von Ereignissen, die mehr oder weniger kausal erklärbar zusammenhängen - was hinterher natürlich leicht zu sagen ist. Ich glaube jedoch daran, dass eine solche Entwicklung existiert hat bzw. existieren kann. Für Diskussionen bin ich aber natürlich gern zu haben.
In diesem Sinne bis morgen und zur nächsten Folge der Serie!
Beginnen möchte ich heute mit einer kurzen Abhandlung aller deutschen Spiele im Laufe des Turniers und erklären, wieso ich spätestens nach dem Algerien-Spiel fest der Überzeugung war, dass das deutsche Team den vierten Stern erhalten wird.
Viel Spaß!
1. Vorrundenspiel gegen Portugal, Ergebnis: 4:0.
"Lieber direkt zum Auftakt eine Mannschaft kriegen, die richtig fordert", habe ich mir vor der WM-Auslosung gewünscht. Und der Zufall oder das Schicksal hat es so gewollt.
Aber wie man im Turnierverlauf erkennen konnte: Portugal war keine wirkliche Mannschaft. Das hat selbst Cristiano Ronaldo eingesehen, der seinerseits ebenfalls ein unterdurchschnittliches Turnier spielte.
Letztendlich lief alles wie am Schnürchen: der Elfer, den man geben kann, aber nicht muss. Das 1:0, die provozierte Tätlichkeit von Pepe, ein brillanter Kopfball von Mats Hummels und zwei typische Müller-Tore sorgten für einen Auftakt nach Maß. Löws Team nutzte konsequent alle sich bietenden Chancen. Ein wichtiger Faktor im Turnierverlauf.
2. Vorrundenspiel gegen Ghana, Ergebnis 2:2.
Ein zähes, kampfbetontes Spiel gegen einen sich wehrenden Gegner sollte es werden. Das war nun ein Härtetest, wie man ihn auch braucht. Das erste Spiel ging von sich aus nach Deutschland, nun wurde alles gefordert: Kampfgeist, Kraft, Kondition und auch mal unkonventionelles. Und auch Miro Klose. Sein 15. WM-Tor war unglaublich wichtig. Das Tor von Götze per Knie war zwar mit Glück, aber auch gut gemacht. Und dann glich Klose das 2:1 von Asamoah Gyan aus. Es sollten die letzten acht (8!) Minuten des Turniers bleiben, in denen das Team zurücklag. Ich bin der Meinung, dass in diesem Charaktertest der letzte fehlende Grundstein für das erfolgreiche Abschneiden im Turnier gelegt wurde. Man hat den Schock eines Rückstandes nahezu postwendend verkraftet und - wenn auch nicht schön - zählbares mitgenommen.
3. Vorrundenspiel gegen USA. Ergebnis: 1:0.
Da muss man gar nicht so viel zu sagen: Pflichtaufgabe erledigt. Hinten nicht viel zugelassen und mitten in einer Drangphase das wichtige 1:0 gemacht. "Ich habe endlich auch mal ein schönes Tor geschossen", sagte Thomas Müller danach. Wie recht er doch hatte! Und man hatte nach den zwei Gegentoren gegen die Ghanaer bewiesen, dass man auch gegen willensstarke Amerikaner nicht viel zulassen würde. Nachdem Löw für seine vier-Innenverteidiger-auf-den-vier-Abwehrpositionen-Taktik nach dem Ghana-Spiel förmlich zerrissen wurde, bewies dieses Spiel, dass es eben doch die richtige Taktik ist.
Achtelfinalspiel gegen Algerien. Ergebnis: 2:1 n.V..
Dass die Wüstenfüchse eine zähe und unberechenbare Mannschaft sind, haben sie allein durch ihr Weiterkommen bewiesen. Und rennen konnten die schon immer. Sie haben auch bei weitem nicht so defensiv gespielt, wie manch einer erwartet hätte. Das kann man auch anhand der Anzahl der Ausflüge Manuel Neuers auch ganz leicht belegen. Zugegebenermaßen hatte ich schon bei der ersten Aktion von ihm die ersten Ängste und das war bis zum Schlusspfiff auch nicht anders. Und dennoch waren zwei Sachen herausragend und auffällig: die Erfahrung aus dem Ghana-Spiel, wie es ist gegen so einen taffen Gegner spielen zu müssen, kam hier eindrucksvoll zur Geltung. Keiner verlor die Nerven und man spielte weiterhin konzentriert und zielstrebig. Und: André Schürrle ist DER Joker überhaupt. Genau in solchen Situationen kann man ihn bringen, dann ist er effizient. Er ist noch nicht komplett genug für die Startelf.
Aber für tabulose Tempodribblings gegen müde Verteidiger ist er der Beste. Er hat das Spiel entschieden und das sollte auch noch ein weiteres Mal so sein...
Viertelfinalspiel gegen Frankreich. Ergebnis: 1:0.
In diesem Spiel siegte definitiv die Abwehr. Es ging gegen die bis dato - für mich - beste und überzeugendste Mannschaft des Turniers. Doch die schien der größten Herausforderung nicht ganz gewachsen zu sein. Die Franzosen hatten Chancen, gute sogar. Doch der wuchtigste Kopfball, den ich seit dem Vorrundenspiel gegen Portugal (haha) gesehen habe und ein Neuer (Wortwitz!) Titan im Tor brachten uns ins Halbfinale. Und was das für ein Spiel war, das erzählen wir noch unseren Enkeln, das sage ich euch!
Halfinalspiel gegen Brasilien. Ergebnis; 7:1.
Bis heute rätseln Fachforscher, was denn da eigentlich genau passiert ist. Wie konnte es zu dem höchsten Sieg überhaupt in der K.O.-Phase der WMs kommen? Meine Theorie ist Folgende:
Die Brasilianer lebten bis zu diesem Spiel von den beiden Spielern, die NICHT teilnehmen konnten respektive durften - Neymar und Thiago Silva. Ein Genie am Ball und einer der besten Innenverteidiger des noch jungen Jahrtausends. Es lastete ein ungeheurer Druck auf sie und dem waren sie nach dem Ausfall dieser beiden Stützen nicht mehr gewachsen. Den Spielern sah man nur beim Hymnen-Singen an, dass sie wollten. Den Deutschen ab eine Minute vor Anpfiff bis nach dem Spiel. Und so kam es, dass der Sympath Dante zur ärmsten Sau des Turniers wurde. 90 Minuten gegen seine besten Kumpels und er bekam sieben Gegentore eingeschenkt. Die ersten fünf davon in den ersten 29 Minuten dieses bekloppten Fußballspiels.
Doch nicht nur er: sondern auch Torwart-Opa Julio César, Tahiti-Bob-Double David Luiz und neben weiteren Weltklassespielern auch Fred, der mir dann doch irgendwann Leid tat, als er ausgepfiffen wurde. In den ersten 10 Minuten stürmten die Brasilianer vogelwild und durchgedreht auf das deutsche Tor - ohne Konzept und ohne Gefahr. Und dann steht nach einer wunderbaren Ecke und einem cleveren Block von Mats Hummels gegen David Luiz Thomas Müller mutterseelenallein am Elfmeterpunkt vor dem Tor und netzt cool ein. Viele vergessen, dass es dann ja nochmal 12 Minuten bis zum nächsten Tor gedauert hat. Also diesen Schock haben die Gastgeber noch gut verkraftet. Aber dann kam der ewige Klose und zwang den Mann, der ihm vor dem Turnier eine Verletzung gewünscht hat, dazu, zuzugeben, dass er doch ein Tor mehr geschossen hat als eben dieser Ronaldo.
Dann schien für das Team von Luiz Felipe Scolari eine Welt zusammenzubrechen. Zwei technisch hochwertige Tore von Toni Kroos und dann noch ein Khedira-Tor, was wunderbar herausgespielt war, manifestierten das 5:0 zur Pause. Die Mannschaft von Joachim Löw spielte gnadenlos effektiv und trat den am Boden liegenden Gegner nochmals K.O.
Das 7:0 war dann die Kirsche auf der Sahnetorte, der i-Punkt auf dem I oder auch das Trinkgeld auf der Rechnung: Schürrle schaut nicht, wo das Tor steht, sondern er weiß es und zieht ab. Und solch ein Tor gelingt nur an einem Sahnetag. Das 7:1 ist dann lediglich der Tintenklecks auf einem ansonsten fantastisch gemalten Aquarell.
Finale gegen Argentinien. Endstand: 1:0.
Dies ist das letzte Spiel in der Kette Ghana-Algerien-Argentinien. Allein am Spiel Bastian Schweinsteigers kann man festmachen, was die Tugenden waren, die nötig waren und zutage getreten sind, um letztendlich diesen Titel zu erringen. Neben ihm hat Jérome Boateng das wohl beste Spiel seiner Karriere gemacht.
Das Spiel dürften alle gesehen haben und jeder hat seine eigene Meinung dazu.
Der Blog-Artikel ist nun lang genug und wir wollen es auch dabei belassen.
Meiner Meinung nach ist es eine Kette von Ereignissen, die mehr oder weniger kausal erklärbar zusammenhängen - was hinterher natürlich leicht zu sagen ist. Ich glaube jedoch daran, dass eine solche Entwicklung existiert hat bzw. existieren kann. Für Diskussionen bin ich aber natürlich gern zu haben.
In diesem Sinne bis morgen und zur nächsten Folge der Serie!
Mittwoch, 16. Juli 2014
WM-Rückblicksvorschau: selbstkreierte Substantive und eine Ergebnis-Elf
Die WM ist nun also Geschichte und Gary Linekers Zitat von dem Spiel mit dem Ball, den 22 Herren und Deutschland als Sieger ist einmal mehr wahr geworden.
Ein großer historischer Moment ist eingetreten, auf den wir alle gehofft und gewartet haben. "Es wurde Zeit!", haben viele gesagt. Ich auch - denn die ältesten Spieler (mit Ausnahme WM-Rekordtorschützen) waren im besten Fußballeralter und sie haben alle Höhen und Tiefen des Fußballs mitgemacht.
Man hat ihnen vorher eine gewisse Reife attestiert, was auch absolut richtig ist. 2008 waren die meisten der Generation Lahm - Schweinsteiger - Podolski - Mertesacker gerade einmal aus dem Sommermärchen-Boygroup-Alter raus. Und mit der Mannschaft es bis ins Finale der Europameisterschaft zu schaffen war schon ein großartiger Erfolg.
Zurecht wurden sie damals schon in Berlin von Hunderttausenden empfangen und bejubelt. 2010 war doch im Vorfeld die reine Katastrophe angekündigt: die Wade der Nation, Michael Ballack verletzt! Kaputtgetreten von Aggro-Prince Boateng - den ich nie als solchen empfunden habe. Und dann noch die Verletzung von René Adler, die Nummer 1 auch raus! Wen interessiert's denn heute noch?!
Im Grunde hat da alles angefangen, was in dieser Weltmeisterschaft DAS Plus dieser Mannschaft war: Teamgeist. Das war übrigens auch der Name des WM-Balles 2006. Zufall oder Schicksal?
Das Turnier in Südafrika war kein leichtes. Im Grunde hätte es da schon klappen können, denn der Verlauf war in etwa gleich. Man ist mit Sami Khedira als einem der Spieler des Turniers im Halbfinale an Spanien gescheitert. An einer Mannschaft, die es so schnell nicht mehr wieder geben wird. Die - man kann sagen - langweilig, perfekten und ausgeklügelten Fußball gespielt haben.
Thomas Müller wurde Torschützenkönig. Ja, wer bitte kannte im Jahr vorher Thomas Müller? Ich kannte ihn zufällig, weil ich ihn 2-3 Jahre zuvor bei einem Drittliga-Spiel in Paderborn habe kicken sehen. In der Innenverteidigung damals bei Bayern II übrigens Holger Badstuber. An den wurde auch bei allen Feierlichkeiten gedacht - beeindruckenderweise und meiner Ansicht nach auch zurecht. Denn der Junge wäre ohne einen und erst recht ohne beiden Kreuzbandrisse nach Brasilien mitgefahren.
2012 war eines der besten und härtesten Turniere der neuen Ära Fußball, wenn nicht sogar der gesamten Geschichte. Todesgruppe! Alle Mannschaften in der deutschen Gruppe B in den Top 10 der Weltrangliste.
Bis zum Halbfinale souverän durchgespielt. Und dann verzockt sich Löw und trifft auf genial-eiskalte Italiener, die Balotelli an einem Super-Tag in ihren Reihen haben.
Klar, das war bitter. Aber meiner Ansicht nach hat sich Löw verzockt, weil er es eben anders gemacht hat als 2010 und 2008 und eben sich nicht auf die Stärken seines Teams besinnt hat. Er hat dem Ausschlussprinzip getraut und es ist schief gegangen. So ist die Welt.
Und wie viele haben sich noch aufgeregt, dass er im Vorfeld der WM (nach der perfekten Quali) den Vertrag bis 2016 verlängert hat? Viele wollten ihn doch schon loswerden oder sagten typisch deutsch: "der soll erstmal Weltmeister werden, dann kann er immer noch verlängern!"
Und da steckt etwas drin, was mich stirnrunzelnd zurücklässt: wieso gibt man dem Trainer keine Zeit?
Jetzt hat er es gepackt und ist auf einmal Everybody's darling - so schnell geht das. Und wenn er dann in der EM im Achtel- oder Viertelfinale rausfliegt, wird er wieder verteufelt.
Die Öffentlichkeit, das heißt Medien und Volk, sollten sich einig werden, was sie denn wollen. Und deswegen liebe ich einen Per Mertesacker, der eben auch mal sagt, was Sache ist: "wollen Sie geilen Fußball sehen und im Viertelfinale rausfliegen oder Weltmeister werden?"
Ich habe schon immer gesagt, dass der Erfolg primär ist und nicht die Spielweise. Man schaue sich doch die Weltmeistertitel an, die wir geholt haben bisher (also wir = Deutschland):
1954: ein eingeschworenes Team, das gegen die besten Fußballer dieser Generation gewinnt. Die Ungarn wollten die Deutschen doch vorführen. Sie wollten zeigen, wie himmelweit der Unterschied ist und haben nun mal vergessen, dass Fußball - Phrasenschwein - Ergebnisspiel ist. Und Sepp Herbergers Leistung als Trainer ist gar nicht hoch genug zu bewerten
1974: grandioses Turnier von Sepp Maier im Tor, ohne den wäre nix gelaufen. Kleines dickes Müller war immer am richtigen Ort, aber im Finale? Da waren die Niederländer besser, genau wie die Ungarn '54. Pures Glück wäre zu hart gesagt, aber das kann auch anders laufen.
1990: ausgeglichenes Finale gegen die Argentinier. Die halbe Mannschaft war da an ihrem Leistungszenit und Lothar Matthäus war überragend im gesamten Turnier. Ein fragwürdiger Elfer und die coole Socke Andi Brehme besorgten den Titel.
Unterm Strich: kein Finalsieg mit mehr als einem Tor Unterschied. Noch Fragen? Wir sind keine Künstlernation, sondern das, was Millionen von Bundestrainern predigen: diese Turniermannschaft. Aber man sollte sich selber mal zuhören und vor allem auch glauben und verinnerlichen, was man denn so erzählt.
Whatever! Wir sind Weltmeister, wir haben den Pott und die anderen nicht. Und da sollte man auch so feiern dürfen, wie man will. Wer weiß denn, ob die Mannschaften, die gegen uns die paar Finals gewonnen haben, nicht auch was hämisches gesungen haben? Dieses #Gauchogate war weder rassistisch noch beleidigend. Ich verstehe diese Aufregung nicht. Solche Dinge sind doch alltäglich und man kann doch in der Situation nicht erwarten, dass sich alle unter Kontrolle haben und ultrakorrekt sind. Das will doch auch keiner sehen, wenn man mal ehrlich ist. Dann darf man auch nicht "ohne Holland fahren wir zur WM/EM" singen.
Was wollte ich jetzt eigentlich noch...ach ja, genau! Morgen soll's den ersten von 2-3 Rückblicksteilen zur WM geben. Darin: was waren das für Spiele, die unsere Jungs bestritten haben? Wie war der Turnierverlauf? Und: warum ist es logisch, dass Deutschland Weltmeister geworden ist?
In diesem Sinne, bis morgen!
Ein großer historischer Moment ist eingetreten, auf den wir alle gehofft und gewartet haben. "Es wurde Zeit!", haben viele gesagt. Ich auch - denn die ältesten Spieler (mit Ausnahme WM-Rekordtorschützen) waren im besten Fußballeralter und sie haben alle Höhen und Tiefen des Fußballs mitgemacht.
Man hat ihnen vorher eine gewisse Reife attestiert, was auch absolut richtig ist. 2008 waren die meisten der Generation Lahm - Schweinsteiger - Podolski - Mertesacker gerade einmal aus dem Sommermärchen-Boygroup-Alter raus. Und mit der Mannschaft es bis ins Finale der Europameisterschaft zu schaffen war schon ein großartiger Erfolg.
Zurecht wurden sie damals schon in Berlin von Hunderttausenden empfangen und bejubelt. 2010 war doch im Vorfeld die reine Katastrophe angekündigt: die Wade der Nation, Michael Ballack verletzt! Kaputtgetreten von Aggro-Prince Boateng - den ich nie als solchen empfunden habe. Und dann noch die Verletzung von René Adler, die Nummer 1 auch raus! Wen interessiert's denn heute noch?!
Im Grunde hat da alles angefangen, was in dieser Weltmeisterschaft DAS Plus dieser Mannschaft war: Teamgeist. Das war übrigens auch der Name des WM-Balles 2006. Zufall oder Schicksal?
Das Turnier in Südafrika war kein leichtes. Im Grunde hätte es da schon klappen können, denn der Verlauf war in etwa gleich. Man ist mit Sami Khedira als einem der Spieler des Turniers im Halbfinale an Spanien gescheitert. An einer Mannschaft, die es so schnell nicht mehr wieder geben wird. Die - man kann sagen - langweilig, perfekten und ausgeklügelten Fußball gespielt haben.
Thomas Müller wurde Torschützenkönig. Ja, wer bitte kannte im Jahr vorher Thomas Müller? Ich kannte ihn zufällig, weil ich ihn 2-3 Jahre zuvor bei einem Drittliga-Spiel in Paderborn habe kicken sehen. In der Innenverteidigung damals bei Bayern II übrigens Holger Badstuber. An den wurde auch bei allen Feierlichkeiten gedacht - beeindruckenderweise und meiner Ansicht nach auch zurecht. Denn der Junge wäre ohne einen und erst recht ohne beiden Kreuzbandrisse nach Brasilien mitgefahren.
2012 war eines der besten und härtesten Turniere der neuen Ära Fußball, wenn nicht sogar der gesamten Geschichte. Todesgruppe! Alle Mannschaften in der deutschen Gruppe B in den Top 10 der Weltrangliste.
Bis zum Halbfinale souverän durchgespielt. Und dann verzockt sich Löw und trifft auf genial-eiskalte Italiener, die Balotelli an einem Super-Tag in ihren Reihen haben.
Klar, das war bitter. Aber meiner Ansicht nach hat sich Löw verzockt, weil er es eben anders gemacht hat als 2010 und 2008 und eben sich nicht auf die Stärken seines Teams besinnt hat. Er hat dem Ausschlussprinzip getraut und es ist schief gegangen. So ist die Welt.
Und wie viele haben sich noch aufgeregt, dass er im Vorfeld der WM (nach der perfekten Quali) den Vertrag bis 2016 verlängert hat? Viele wollten ihn doch schon loswerden oder sagten typisch deutsch: "der soll erstmal Weltmeister werden, dann kann er immer noch verlängern!"
Und da steckt etwas drin, was mich stirnrunzelnd zurücklässt: wieso gibt man dem Trainer keine Zeit?
Jetzt hat er es gepackt und ist auf einmal Everybody's darling - so schnell geht das. Und wenn er dann in der EM im Achtel- oder Viertelfinale rausfliegt, wird er wieder verteufelt.
Die Öffentlichkeit, das heißt Medien und Volk, sollten sich einig werden, was sie denn wollen. Und deswegen liebe ich einen Per Mertesacker, der eben auch mal sagt, was Sache ist: "wollen Sie geilen Fußball sehen und im Viertelfinale rausfliegen oder Weltmeister werden?"
Ich habe schon immer gesagt, dass der Erfolg primär ist und nicht die Spielweise. Man schaue sich doch die Weltmeistertitel an, die wir geholt haben bisher (also wir = Deutschland):
1954: ein eingeschworenes Team, das gegen die besten Fußballer dieser Generation gewinnt. Die Ungarn wollten die Deutschen doch vorführen. Sie wollten zeigen, wie himmelweit der Unterschied ist und haben nun mal vergessen, dass Fußball - Phrasenschwein - Ergebnisspiel ist. Und Sepp Herbergers Leistung als Trainer ist gar nicht hoch genug zu bewerten
1974: grandioses Turnier von Sepp Maier im Tor, ohne den wäre nix gelaufen. Kleines dickes Müller war immer am richtigen Ort, aber im Finale? Da waren die Niederländer besser, genau wie die Ungarn '54. Pures Glück wäre zu hart gesagt, aber das kann auch anders laufen.
1990: ausgeglichenes Finale gegen die Argentinier. Die halbe Mannschaft war da an ihrem Leistungszenit und Lothar Matthäus war überragend im gesamten Turnier. Ein fragwürdiger Elfer und die coole Socke Andi Brehme besorgten den Titel.
Unterm Strich: kein Finalsieg mit mehr als einem Tor Unterschied. Noch Fragen? Wir sind keine Künstlernation, sondern das, was Millionen von Bundestrainern predigen: diese Turniermannschaft. Aber man sollte sich selber mal zuhören und vor allem auch glauben und verinnerlichen, was man denn so erzählt.
Whatever! Wir sind Weltmeister, wir haben den Pott und die anderen nicht. Und da sollte man auch so feiern dürfen, wie man will. Wer weiß denn, ob die Mannschaften, die gegen uns die paar Finals gewonnen haben, nicht auch was hämisches gesungen haben? Dieses #Gauchogate war weder rassistisch noch beleidigend. Ich verstehe diese Aufregung nicht. Solche Dinge sind doch alltäglich und man kann doch in der Situation nicht erwarten, dass sich alle unter Kontrolle haben und ultrakorrekt sind. Das will doch auch keiner sehen, wenn man mal ehrlich ist. Dann darf man auch nicht "ohne Holland fahren wir zur WM/EM" singen.
Was wollte ich jetzt eigentlich noch...ach ja, genau! Morgen soll's den ersten von 2-3 Rückblicksteilen zur WM geben. Darin: was waren das für Spiele, die unsere Jungs bestritten haben? Wie war der Turnierverlauf? Und: warum ist es logisch, dass Deutschland Weltmeister geworden ist?
In diesem Sinne, bis morgen!
Montag, 14. Juli 2014
Der Tag danach
7:30, der Wecker klingelt. Ich spüre Schmerzen, rechte untere Bauchhälfte. Direkt am Rippenbogen. Gedanke 1: "hoffentlich nicht der Blinddarm", Gedanke 2: "was ist mit der Arbeit?".
Ich dusche und schleppe mich zur U-Bahn. Trotz der Schmerzen schlafe ich mehrmals fast ein.
Ich zähle die Minuten bis zu meiner Aussteigestation. Als ich endlich da bin, will ich nur eins: ins Büro. Vielleicht kann mir da wer helfen. Dort angekommen, nur ein Rat: ins Klinikum rechts der Isar.
Der Weg ist einfach, den bin ich auch schon gefahren. Beim endlos langen Warten auf den Aufzug begegne ich schon unserem Geschäftsführer. Und als der Aufzug oben ist, steht unser Marketingmanager vor mir und schaut mich verdutzt an. Ich sage nur "guten Morgen, hoffentlich bis später" und fahre runter. Unten begegne ich meinem Chef. Er fragt verwundert: "was machst du hier unten, alles okay?", ich sage "nee, ich fahr ins Klinikum, ich habe Schmerzen".
Eine gute halbe Stunde später sitze ich in der Notaufnahme. Es ist voll hier. Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden sind hier. Manche sind wie ich fast am einnicken. Geschlagene 90 Minuten muss ich auf den erlösenden Aufruf meines Namens warten. Die Schwester bringt mich ins Behandlungszimmer. Dort sitzt ein blondes Mädchen, das Probleme mit ihrem Fuß hat. Sie ist mir gleich beim reinkommen in den Wartebereich aufgefallen. Immer wieder suchte sie den Blickkontakt.
Jetzt stand ich mit schmerzender Rippe vor ihr, die nur eingeschränkt gehen kann. Die Schwester weist sia an, die Liege für mich zu räumen. Das begreife ich nicht so recht, aber das Mädchen steht für mich auf. Ehrlich beteuere ich: "tut mir wirklich leid für dich". Sie zuckte mit den Schultern, lächelte mich an und sagte nur "wir machen uns hier doch keinen Stress" und überließ mir die Liege. Für einen Moment vergaß ich, weshalb ich eigentlich hier war. Es war so ein WOW-Moment.
Doch schon, als sie das Zimmer verließ, kamen die Schmerzen zurück und ich musste wieder rund 45 Minuten warten, bis der Arzt kam. Abtasten, klopfen, fühlen, ein Verhör und dann die Entscheidung "Blut abnehmen". Davon wurde mir so schlecht, dass ich mich übergab. Alles war schwammig und ich hatte Schweißausbrüche. Ich bat um eine Infusion und mit der ging es mir dann schon bald besser.
Ultra-Schall: auch ohne Befund, selbst der Internist war ratlos. Zweiter Ultraschall mit Facharzt: auch ergebnislos. Das war sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht.
Die Gute: ich muss nicht operiert werden. Die Schlechte: keine Ahnung, wo der Schmerz herkommt.
Urinprobe war auch schnell erledigt. Wieder Ewigkeiten warten. Ein zweiter Patient hatte sich bei einem Fahrradsturz zwei Rippen gebrochen. Wir plauderten ein wenig.
"Das Labor hat nichts gefunden! Wir schicken Sie zum Röntgen 2", war die Ansage. Röntgen 2 war kaputt, also zu Röntgen 10. Bei Röntgen 10 sagte man mir "erst zur Anmeldung". Die Anmeldung wusste von meiner Anmeldung: "gehen Sie zu Röntgen 17!"
Die machten jedoch Mittagspause just in dem Moment, in dem ich Platz nahm. Aus den Schmerzen wurde ein genervter junger Mann, der nicht wusste, was mit ihm los war und der innerlich brodelte.
Die Damen kamen nach einer halben Stunde (mitrechnen nicht vergessen, Leute!) wieder und ich kam in das Vorderzimmer und machte mich frei. Ich stellte mich der Mitarbeiterin vor und die sagte "ich finde Ihren Namen nicht. Gehen Sie zur Anmeldung". Ich knurrte nur zurück "aber ich bin angemeldet, Kruzifix!". "Gehen Sie zur Anmeldung, so kann ich nicht helfen". Ich tat wie mir befohlen, dachte aber auch schon ans ausbüchsen. Die Dame an der Anmeldung bekam einen Tollwutanfall ob der Unfähigkeit ihrer Kollegin beim Röntgen. Sie drückte mir einen Zettel in die Hand und bat um Entschuldigung.
Also kreuzte ich nach der Aktion wieder beim Röntgen auf, ne Sache von einer Minute(!) und beeilte mich zurück in die Notaufnahme zu kommen.
Der Arzt und die Schwester sagten bloß: "da haben Sie jetzt eine Odyssee hinter sich". Ich antwortete nur "wenn die anderen Kollegen mal so kompetent und geschickt wie sie..." Wieder das Gespräch mit dem Slowaken. Derweil wurde ein gestürzter Junge ins Behandlungszimmer gefahren. Beide Knie fett bandagiert. Das Mädchen war natürlich längst weg....wieder ne knappe Stunde später: das Röntgen ist da. "Ihre Lunge ist bilderbuchhaft, da ist alles Bestens. Ihre Organe sind auch komplett in Ordnung. Wir können alles mögliche ausschließen. Außer einen eingeklemmten Nerv, den haben wir gefunden und der verursacht die Schmerzen, meiner Ansicht nach", sagt der Doktor. 10 Mal versucht er noch einen Kollegen zu erreichen, der sich das Bild anschauen möge. Kein Erfolg. Dann gab er mir die Akte und erklärte, wie es weitergehen sollte. Doch es war noch nicht genug: ich bekam Pillen und die Nadel rausgezogen.
Dann durfte ich endlich gehen. Statt Not-OP ein kleiner Schreck - fünf Stunden im Krankenhaus, statt Arbeiten und Leid statt Freude.
So fiel der Genuss des WM-Titels (zumindest für den heutigen Tage) sehr kurz aus. Immerhin konnte ich noch 3 1/2 Stunden arbeiten und eine erneut tolle Tour de France-Etappe verfolgen.
Lasst mal hören: habt ihr gefeiert? wenn ja wie?
Alles Gute wünscht euch euer Luis
Ich dusche und schleppe mich zur U-Bahn. Trotz der Schmerzen schlafe ich mehrmals fast ein.
Ich zähle die Minuten bis zu meiner Aussteigestation. Als ich endlich da bin, will ich nur eins: ins Büro. Vielleicht kann mir da wer helfen. Dort angekommen, nur ein Rat: ins Klinikum rechts der Isar.
Der Weg ist einfach, den bin ich auch schon gefahren. Beim endlos langen Warten auf den Aufzug begegne ich schon unserem Geschäftsführer. Und als der Aufzug oben ist, steht unser Marketingmanager vor mir und schaut mich verdutzt an. Ich sage nur "guten Morgen, hoffentlich bis später" und fahre runter. Unten begegne ich meinem Chef. Er fragt verwundert: "was machst du hier unten, alles okay?", ich sage "nee, ich fahr ins Klinikum, ich habe Schmerzen".
Eine gute halbe Stunde später sitze ich in der Notaufnahme. Es ist voll hier. Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden sind hier. Manche sind wie ich fast am einnicken. Geschlagene 90 Minuten muss ich auf den erlösenden Aufruf meines Namens warten. Die Schwester bringt mich ins Behandlungszimmer. Dort sitzt ein blondes Mädchen, das Probleme mit ihrem Fuß hat. Sie ist mir gleich beim reinkommen in den Wartebereich aufgefallen. Immer wieder suchte sie den Blickkontakt.
Jetzt stand ich mit schmerzender Rippe vor ihr, die nur eingeschränkt gehen kann. Die Schwester weist sia an, die Liege für mich zu räumen. Das begreife ich nicht so recht, aber das Mädchen steht für mich auf. Ehrlich beteuere ich: "tut mir wirklich leid für dich". Sie zuckte mit den Schultern, lächelte mich an und sagte nur "wir machen uns hier doch keinen Stress" und überließ mir die Liege. Für einen Moment vergaß ich, weshalb ich eigentlich hier war. Es war so ein WOW-Moment.
Doch schon, als sie das Zimmer verließ, kamen die Schmerzen zurück und ich musste wieder rund 45 Minuten warten, bis der Arzt kam. Abtasten, klopfen, fühlen, ein Verhör und dann die Entscheidung "Blut abnehmen". Davon wurde mir so schlecht, dass ich mich übergab. Alles war schwammig und ich hatte Schweißausbrüche. Ich bat um eine Infusion und mit der ging es mir dann schon bald besser.
Ultra-Schall: auch ohne Befund, selbst der Internist war ratlos. Zweiter Ultraschall mit Facharzt: auch ergebnislos. Das war sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht.
Die Gute: ich muss nicht operiert werden. Die Schlechte: keine Ahnung, wo der Schmerz herkommt.
Urinprobe war auch schnell erledigt. Wieder Ewigkeiten warten. Ein zweiter Patient hatte sich bei einem Fahrradsturz zwei Rippen gebrochen. Wir plauderten ein wenig.
"Das Labor hat nichts gefunden! Wir schicken Sie zum Röntgen 2", war die Ansage. Röntgen 2 war kaputt, also zu Röntgen 10. Bei Röntgen 10 sagte man mir "erst zur Anmeldung". Die Anmeldung wusste von meiner Anmeldung: "gehen Sie zu Röntgen 17!"
Die machten jedoch Mittagspause just in dem Moment, in dem ich Platz nahm. Aus den Schmerzen wurde ein genervter junger Mann, der nicht wusste, was mit ihm los war und der innerlich brodelte.
Die Damen kamen nach einer halben Stunde (mitrechnen nicht vergessen, Leute!) wieder und ich kam in das Vorderzimmer und machte mich frei. Ich stellte mich der Mitarbeiterin vor und die sagte "ich finde Ihren Namen nicht. Gehen Sie zur Anmeldung". Ich knurrte nur zurück "aber ich bin angemeldet, Kruzifix!". "Gehen Sie zur Anmeldung, so kann ich nicht helfen". Ich tat wie mir befohlen, dachte aber auch schon ans ausbüchsen. Die Dame an der Anmeldung bekam einen Tollwutanfall ob der Unfähigkeit ihrer Kollegin beim Röntgen. Sie drückte mir einen Zettel in die Hand und bat um Entschuldigung.
Also kreuzte ich nach der Aktion wieder beim Röntgen auf, ne Sache von einer Minute(!) und beeilte mich zurück in die Notaufnahme zu kommen.
Der Arzt und die Schwester sagten bloß: "da haben Sie jetzt eine Odyssee hinter sich". Ich antwortete nur "wenn die anderen Kollegen mal so kompetent und geschickt wie sie..." Wieder das Gespräch mit dem Slowaken. Derweil wurde ein gestürzter Junge ins Behandlungszimmer gefahren. Beide Knie fett bandagiert. Das Mädchen war natürlich längst weg....wieder ne knappe Stunde später: das Röntgen ist da. "Ihre Lunge ist bilderbuchhaft, da ist alles Bestens. Ihre Organe sind auch komplett in Ordnung. Wir können alles mögliche ausschließen. Außer einen eingeklemmten Nerv, den haben wir gefunden und der verursacht die Schmerzen, meiner Ansicht nach", sagt der Doktor. 10 Mal versucht er noch einen Kollegen zu erreichen, der sich das Bild anschauen möge. Kein Erfolg. Dann gab er mir die Akte und erklärte, wie es weitergehen sollte. Doch es war noch nicht genug: ich bekam Pillen und die Nadel rausgezogen.
Dann durfte ich endlich gehen. Statt Not-OP ein kleiner Schreck - fünf Stunden im Krankenhaus, statt Arbeiten und Leid statt Freude.
So fiel der Genuss des WM-Titels (zumindest für den heutigen Tage) sehr kurz aus. Immerhin konnte ich noch 3 1/2 Stunden arbeiten und eine erneut tolle Tour de France-Etappe verfolgen.
Lasst mal hören: habt ihr gefeiert? wenn ja wie?
Alles Gute wünscht euch euer Luis
Samstag, 12. Juli 2014
Für viele ein rotes Tuch, für mich pures Faszinosum
Meine bisherigen Erfahrungen mit der Tour de France sind ziemlich klar: entweder der Gesprächspartner liebt sie oder er hasst sie - wie den gesamten Profi-Radsport. Ich beziehe mich ausschließlich auf den professionellen Radsport.
So in etwa sieht das auch bei unseren Zuschauern aus - selbst bei denen, die selber mal Amateure waren oder sogar in Richtung Profi gingen. Die Hasser fordern uns dazu auf, etwas Anderes zu zeigen. So nach dem Motto "sind doch eh alle gedopt, der Sport ist komplett verseucht". Man wirft uns Scheinheiligkeit vor, wir wären genauso wie ARD und ZDF, nur dümmer.
Abgesehen von der Beleidigung ist das auch sachlich falsch. Unsere Berichterstattung setzte sich aktiv mit dem Thema auch während der Übertragung auseinander, anstatt zu pauschalisieren und parteiisch zu berichten.
Auch in diesem Jahr werden - wenn es Fälle gibt - wir darauf eingehen und das Ganze beleuchten. Wir werden aber niemanden anklagen und als Betrüger abstempeln. Erschwerend hinzu kommt noch, dass wir uns nicht auf die deutschen Fahrer fokussieren. Klar berichten wir über Etappensiege von Marcel Kittel und Andre Greipel. Aber: wir sind ein pan-europäischer TV-Sender mit Sitz in Paris. Wir dürfen gar nicht ausschließlich über die Deutschen berichten. Das widerspräche unseren Idealen.
Wir werden zwar dafür kritisiert, die deutschen Fahrer zu wenig zu erwähnen. Das kann ich auch verstehen, weil sich unsere Zuschauer das natürlich wünschen. Aber das ist eben nicht unser Konzept. Unser Kommentatoren-Duo Karsten Migels und Jean-Claude Leclercq (ein Deutscher und ein Schweizer) macht einen tollen Job. Und warum sollte man die Positionen der Deutschen erwähnen, wenn sich im Renngeschehen eh nichts tut?
In unserer Branche muss man ein dickes Fell haben. Es gibt keinen am Mikrofon, der es in der TV-Geschichte bisher allen hat recht machen können. Das ist auch unmöglich, wenn ihr mich fragt.
Wie die allermeisten von euch wissen, möchte ich später selbst einmal große Sportereignisse am Mikrofon begleiten. Dazu mag meine jetzige Praktikumsstelle nicht zu 100 Prozent passen, jedoch härtet mich jeder Tag mehr am Zuschauertelefon ab. Das ist ideales Training. Man darf sich nicht alles nachsagen und gefallen lassen. Je nach Situation reagiert man: man lässt das gehaltlose Geschwätz geschehen und sich anschreien, wenn der Fall hoffnungslos ist. Mal legt man auch auf, denn man kann sich sicher sein, dass die Person am anderen Ende der Leitung nie wieder anrufen wird.
Sachliche Kritik hört man sich an und gibt sie weiter, wie es sich gehört. So traurig es klingen mag: ich bedanke mich mittlerweile bei den Leuten, die sachlich kritisieren. Denn von denen gibt es nicht viele.
Gestern rief ein Ur-Berliner an und sagte mir, man solle doch den bekloppten Amerikaner (gemeint war unser Experte Greg LeMond) entfernen. Der wäre 17 Jahre nicht bei der Tour gewesen und will jetzt nur seine Fahrräder verkaufen. Punkt zwei ist kompletter Schwachsinn. Was glaubt der denn, was wir dem bezahlen? Erstens dürfen wir solche Werbung gar nicht machen und zweitens ist Eurosport nicht so liquide wie - da sind wir wieder - die öffentlich-rechtlichen. Wir sind eine kleine Mannschaft, die mit ihren Mitteln und bestem Wissen und Gewissen Sportberichterstattung machen.
Wir haben tolle Menschen an Bord, gerade beim Radsport. Neben Leclercq und Migels, teilweise am Mikro, teilweise an der Tastatur, Andreas "Schulle" Schulz. Ein super sympathischer Typ und absoluter Guru, der eine absolut lesenswerte Serie mit dem Titel "Kein Tag wie jeder andere" täglich zur Tour produziert.
Und auch das Team vor Ort - natürlich international, weil es für 56 Länder ist - ist toll. Der Berliner hätte gerne einen Rudi Altig vor Ort dabei. Doch da stehen gleich mehrere Probleme im Raum:
die Frage: will Rudi Altig das überhaupt? Wenn ja, wie ist sein Englisch? Und zu Guter Letzt der allerbeste Grund und zwar, dass Altig sich nach seiner Hochzeit wie so viele seiner Zeit zum Doping bekannt hat. Er wird zwar verehrt, aber ein Satz wie "ich war schlau genug Sachen zu nehmen, die man im Blut nicht nachweisen kann" zeugt nicht von Glaubwürdigkeit und Authentizität.
Da ist LeMond die deutlich bessere Wahl. Der Mann hat tolle Geschichten geschrieben: das Duell mit dem großen Bernard Hinault (war auch ein Vorschlag des Herren, geht aber leider wegen seiner Arbeit im Tour-OK nicht) und seinem Toursieg 1988 nachdem ihm sein Schwager im Jahr vorher eine Schrotladung in den Leib gejagt hat und nicht zuletzt die knappste aller Tour-Ausgaben 1989, wo er mit acht (8!) Sekunden Vorsprung durch einen Sieg im Abschluss-Zeitfahren über 24,8 Kilometer von Versailles nach Paris Laurent Fignon (viel zu früh mit 50 Jahren verstorben) doch den Tour-Sieg entriss. 82 Meter fehlten dem Franzosen damals zum Sieg. Er ist rhetorisch kompetent und neutral, besser geht's doch nicht.
Ich finde unser Paket rundum gelungen und ich habe wie jedes Jahr Spaß an der Tour bei Eurosport.
Wir genießen es, exklusiv in Deutschland zu übertragen.
Ich habe seit jeher immer die Tour bei Eurosport verfolgt, weil mir das Paket an sich gefällt. Die Giganten und Sklaven der Grand Boucle, die Etappen, Dramen, Mythen und Heldengeschichten, die es nun seit 111 Jahren und 101 Ausgaben gibt und weiterhin geben wird und Eurosport sind einfach eine tolle Kombination.Und das Thema Doping steht für mich auf einem anderen Blatt.
Untypisch für mich, dass ich an diesem letzten WM-Wochenende nichts dazu schreibe, aber dazu wird der Montag dienen. Euch viel Spaß und sportliche Grüße für das Wochenende!
So in etwa sieht das auch bei unseren Zuschauern aus - selbst bei denen, die selber mal Amateure waren oder sogar in Richtung Profi gingen. Die Hasser fordern uns dazu auf, etwas Anderes zu zeigen. So nach dem Motto "sind doch eh alle gedopt, der Sport ist komplett verseucht". Man wirft uns Scheinheiligkeit vor, wir wären genauso wie ARD und ZDF, nur dümmer.
Abgesehen von der Beleidigung ist das auch sachlich falsch. Unsere Berichterstattung setzte sich aktiv mit dem Thema auch während der Übertragung auseinander, anstatt zu pauschalisieren und parteiisch zu berichten.
Auch in diesem Jahr werden - wenn es Fälle gibt - wir darauf eingehen und das Ganze beleuchten. Wir werden aber niemanden anklagen und als Betrüger abstempeln. Erschwerend hinzu kommt noch, dass wir uns nicht auf die deutschen Fahrer fokussieren. Klar berichten wir über Etappensiege von Marcel Kittel und Andre Greipel. Aber: wir sind ein pan-europäischer TV-Sender mit Sitz in Paris. Wir dürfen gar nicht ausschließlich über die Deutschen berichten. Das widerspräche unseren Idealen.
Wir werden zwar dafür kritisiert, die deutschen Fahrer zu wenig zu erwähnen. Das kann ich auch verstehen, weil sich unsere Zuschauer das natürlich wünschen. Aber das ist eben nicht unser Konzept. Unser Kommentatoren-Duo Karsten Migels und Jean-Claude Leclercq (ein Deutscher und ein Schweizer) macht einen tollen Job. Und warum sollte man die Positionen der Deutschen erwähnen, wenn sich im Renngeschehen eh nichts tut?
In unserer Branche muss man ein dickes Fell haben. Es gibt keinen am Mikrofon, der es in der TV-Geschichte bisher allen hat recht machen können. Das ist auch unmöglich, wenn ihr mich fragt.
Wie die allermeisten von euch wissen, möchte ich später selbst einmal große Sportereignisse am Mikrofon begleiten. Dazu mag meine jetzige Praktikumsstelle nicht zu 100 Prozent passen, jedoch härtet mich jeder Tag mehr am Zuschauertelefon ab. Das ist ideales Training. Man darf sich nicht alles nachsagen und gefallen lassen. Je nach Situation reagiert man: man lässt das gehaltlose Geschwätz geschehen und sich anschreien, wenn der Fall hoffnungslos ist. Mal legt man auch auf, denn man kann sich sicher sein, dass die Person am anderen Ende der Leitung nie wieder anrufen wird.
Sachliche Kritik hört man sich an und gibt sie weiter, wie es sich gehört. So traurig es klingen mag: ich bedanke mich mittlerweile bei den Leuten, die sachlich kritisieren. Denn von denen gibt es nicht viele.
Gestern rief ein Ur-Berliner an und sagte mir, man solle doch den bekloppten Amerikaner (gemeint war unser Experte Greg LeMond) entfernen. Der wäre 17 Jahre nicht bei der Tour gewesen und will jetzt nur seine Fahrräder verkaufen. Punkt zwei ist kompletter Schwachsinn. Was glaubt der denn, was wir dem bezahlen? Erstens dürfen wir solche Werbung gar nicht machen und zweitens ist Eurosport nicht so liquide wie - da sind wir wieder - die öffentlich-rechtlichen. Wir sind eine kleine Mannschaft, die mit ihren Mitteln und bestem Wissen und Gewissen Sportberichterstattung machen.
Wir haben tolle Menschen an Bord, gerade beim Radsport. Neben Leclercq und Migels, teilweise am Mikro, teilweise an der Tastatur, Andreas "Schulle" Schulz. Ein super sympathischer Typ und absoluter Guru, der eine absolut lesenswerte Serie mit dem Titel "Kein Tag wie jeder andere" täglich zur Tour produziert.
Und auch das Team vor Ort - natürlich international, weil es für 56 Länder ist - ist toll. Der Berliner hätte gerne einen Rudi Altig vor Ort dabei. Doch da stehen gleich mehrere Probleme im Raum:
die Frage: will Rudi Altig das überhaupt? Wenn ja, wie ist sein Englisch? Und zu Guter Letzt der allerbeste Grund und zwar, dass Altig sich nach seiner Hochzeit wie so viele seiner Zeit zum Doping bekannt hat. Er wird zwar verehrt, aber ein Satz wie "ich war schlau genug Sachen zu nehmen, die man im Blut nicht nachweisen kann" zeugt nicht von Glaubwürdigkeit und Authentizität.
Da ist LeMond die deutlich bessere Wahl. Der Mann hat tolle Geschichten geschrieben: das Duell mit dem großen Bernard Hinault (war auch ein Vorschlag des Herren, geht aber leider wegen seiner Arbeit im Tour-OK nicht) und seinem Toursieg 1988 nachdem ihm sein Schwager im Jahr vorher eine Schrotladung in den Leib gejagt hat und nicht zuletzt die knappste aller Tour-Ausgaben 1989, wo er mit acht (8!) Sekunden Vorsprung durch einen Sieg im Abschluss-Zeitfahren über 24,8 Kilometer von Versailles nach Paris Laurent Fignon (viel zu früh mit 50 Jahren verstorben) doch den Tour-Sieg entriss. 82 Meter fehlten dem Franzosen damals zum Sieg. Er ist rhetorisch kompetent und neutral, besser geht's doch nicht.
Ich finde unser Paket rundum gelungen und ich habe wie jedes Jahr Spaß an der Tour bei Eurosport.
Wir genießen es, exklusiv in Deutschland zu übertragen.
Ich habe seit jeher immer die Tour bei Eurosport verfolgt, weil mir das Paket an sich gefällt. Die Giganten und Sklaven der Grand Boucle, die Etappen, Dramen, Mythen und Heldengeschichten, die es nun seit 111 Jahren und 101 Ausgaben gibt und weiterhin geben wird und Eurosport sind einfach eine tolle Kombination.Und das Thema Doping steht für mich auf einem anderen Blatt.
Untypisch für mich, dass ich an diesem letzten WM-Wochenende nichts dazu schreibe, aber dazu wird der Montag dienen. Euch viel Spaß und sportliche Grüße für das Wochenende!
Freitag, 11. Juli 2014
Noch 2 Tage....und meine Analyse
7:1, krass oder?! Wie viele von euch musste ich mich auch erstmal kneifen um zu begreifen, was in Belo Horizonte am Dienstag geschah.
Doch letztendlich ist es für mich recht plausibel und einfach zu erklären:
Die Brasilianer stürmten vogelwild und alle Tore öffnend nach vorne, drängten auf die Führung. Die Deutschen ließen sich das gefallen und schlugen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eiskalt zu. Das einzige Rätsel bis dahin war nur: wie kann Müller so frei im Strafraum stehen und den Ball Volley aus der Distanz aufs Tor drücken?
Der Rest ist schnell erzählt: die Brasilianer waren geschockt, fielen moralisch auseinander und die Deutschen drückten bis zum 5:0 brutal auf das Tor und es gelang ihnen einfach alles. Danach schalteten sie einen Gang zurück. Danach war alles ein Selbstläufer. Die Brasilianer, demoralisiert und paralysiert, ergaben sich ihrem Schicksal und Jogis Jungs spielten den Stiefel cool zu Ende.
Das 7:0 von Schürrle passt absolut in die Symptomatik dieses Spiels: er nimmt den Ball an, sprintet und hämmert einfach drauf, ohne zu schauen, wo denn das Tor steht. Er weiß es genau, im Gegensatz zu Julio Cesar, der lethargisch auf der Linie steht und zeitverzögtert reagiert - wie ein schlecht programmierter Roboter. Im wunderbaren Fußballpodcast "Flatterball" (www.flatterball.net) fiel der wunderschöne Vergleich zwischen einer Bunten Liga-Mannschaft und einer Bunten Liga-Mannschaft mit Bundesliga-Kickern verstärkt - ein Klassenunterschied.
Ohne Hoffnungsträger Neymar und Organisator Thiago Silva - übrigens eine selten dämlich gelbe Karte vom Kapitän(!!!) waren die Brasilianer nicht mal halb so viel Wert wie vorher. Für mich waren sie von den vier verbliebenen Teams der erste Kandidat für das Ausscheiden. Im gesamten Turnier haben sie mich nicht überzeugt, kein Gegner wurde deutlich besiegt. Eigentlich wären sie schon gegen Kolumbien (DIE coole neue Mannschaft) fällig für ein Ausscheiden. In Schutz nehmen möchte ich jedoch Fred. Klar ist er nicht der aktivste und laufstärkste Spieler, aber, dass die Brasilianer ihn noch während des Spiels ausgebuht und ausgepfiffen haben, ist schon hart. Das hat er nicht verdient. Schließlich hat das komplette Team versagt, nicht nur er. Als Brasilien würde ich mir aber Gedanken machen, weil es selten vorkommt, dass ein Stürmer von der Qualität in diesem Land der Beste jenes Landes ist. Luiz Felipe Scolari hatte keinen Besseren und zaubern kann der Mann auch nicht.
Die Brasilianer werden die Wunden lecken, ihre Lehren ziehen und zurückkommen - ganz sicher.
Nun also Argentinien. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich beim Halbfinale gegen Louis aka "The Ego himself" van Gaals Holländer eingeschlafen bin. Ein Spiel zum abgewöhnen.
Deswegen enthalte ich mich eines Urteils dazu und halte fest: unser Team ist in der Lage jeden zu schlagen und sie sind reif für diesen Titel. Aus diesem Grund werden sie uns das auch am Sonntag ab 21 Uhr in Rio de Janeiro zeigen und ihren Weg erfolgreich beenden, da bin ich mir sicher.
Deutschland wird Weltmeister! Das Tippen lasse ich sein, weil ich das ganze Turnier über zu schlecht getippt habe, als mich hier öffentlich zu äußern.
Morgen geht es dann um die Tour de France, macht's gut!
Doch letztendlich ist es für mich recht plausibel und einfach zu erklären:
Die Brasilianer stürmten vogelwild und alle Tore öffnend nach vorne, drängten auf die Führung. Die Deutschen ließen sich das gefallen und schlugen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eiskalt zu. Das einzige Rätsel bis dahin war nur: wie kann Müller so frei im Strafraum stehen und den Ball Volley aus der Distanz aufs Tor drücken?
Der Rest ist schnell erzählt: die Brasilianer waren geschockt, fielen moralisch auseinander und die Deutschen drückten bis zum 5:0 brutal auf das Tor und es gelang ihnen einfach alles. Danach schalteten sie einen Gang zurück. Danach war alles ein Selbstläufer. Die Brasilianer, demoralisiert und paralysiert, ergaben sich ihrem Schicksal und Jogis Jungs spielten den Stiefel cool zu Ende.
Das 7:0 von Schürrle passt absolut in die Symptomatik dieses Spiels: er nimmt den Ball an, sprintet und hämmert einfach drauf, ohne zu schauen, wo denn das Tor steht. Er weiß es genau, im Gegensatz zu Julio Cesar, der lethargisch auf der Linie steht und zeitverzögtert reagiert - wie ein schlecht programmierter Roboter. Im wunderbaren Fußballpodcast "Flatterball" (www.flatterball.net) fiel der wunderschöne Vergleich zwischen einer Bunten Liga-Mannschaft und einer Bunten Liga-Mannschaft mit Bundesliga-Kickern verstärkt - ein Klassenunterschied.
Ohne Hoffnungsträger Neymar und Organisator Thiago Silva - übrigens eine selten dämlich gelbe Karte vom Kapitän(!!!) waren die Brasilianer nicht mal halb so viel Wert wie vorher. Für mich waren sie von den vier verbliebenen Teams der erste Kandidat für das Ausscheiden. Im gesamten Turnier haben sie mich nicht überzeugt, kein Gegner wurde deutlich besiegt. Eigentlich wären sie schon gegen Kolumbien (DIE coole neue Mannschaft) fällig für ein Ausscheiden. In Schutz nehmen möchte ich jedoch Fred. Klar ist er nicht der aktivste und laufstärkste Spieler, aber, dass die Brasilianer ihn noch während des Spiels ausgebuht und ausgepfiffen haben, ist schon hart. Das hat er nicht verdient. Schließlich hat das komplette Team versagt, nicht nur er. Als Brasilien würde ich mir aber Gedanken machen, weil es selten vorkommt, dass ein Stürmer von der Qualität in diesem Land der Beste jenes Landes ist. Luiz Felipe Scolari hatte keinen Besseren und zaubern kann der Mann auch nicht.
Die Brasilianer werden die Wunden lecken, ihre Lehren ziehen und zurückkommen - ganz sicher.
Nun also Argentinien. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich beim Halbfinale gegen Louis aka "The Ego himself" van Gaals Holländer eingeschlafen bin. Ein Spiel zum abgewöhnen.
Deswegen enthalte ich mich eines Urteils dazu und halte fest: unser Team ist in der Lage jeden zu schlagen und sie sind reif für diesen Titel. Aus diesem Grund werden sie uns das auch am Sonntag ab 21 Uhr in Rio de Janeiro zeigen und ihren Weg erfolgreich beenden, da bin ich mir sicher.
Deutschland wird Weltmeister! Das Tippen lasse ich sein, weil ich das ganze Turnier über zu schlecht getippt habe, als mich hier öffentlich zu äußern.
Morgen geht es dann um die Tour de France, macht's gut!
Samstag, 5. Juli 2014
Wenn auf einmal nicht mehr Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht
Es war die 88. Minute im Spiel Brasilien gegen Kolumbien. Ein Zweikampf, ein Tritt, ein Schmerzschrei, ein Schock. Mit hohem Tempo und unglaublicher Wucht sprang der Kolumbianer Zuniga Brasiliens Hoffnungsträger Neymar in den Rücken. Dieser blieb regungslos liegen, hatte die Hand vor Augen, ein schmerzverzerrtes Gesicht, Tränen überströmten sein Gesicht.
Man wusste sofort: der kann nicht mehr weiterspielen. Und jetzt wissen wir: er wird einen Wirbelbruch auskurieren müssen und längere Zeit kein Fußball mehr spielen können.
Viel hat Neymar im Turnier einstecken müssen im Turnier. Immer und immer wieder Tritte gegen das Bein oder auch Bodychecks. Er fällt leicht und meist spektakulär, selbst wenn der Gegenspieler klar den Ball spielt. Ich bin kein großer Fan von ihm, um ehrlich zu sein. Aber diese Szene gestern hat mich erschüttert und ich kann mich nicht so wirklich über den Einzug der deutschen Mannschaft in das Halbfinale dieser WM freuen. Auch wenn es historisch ist, weil niemand außer Deutschland bei allen WMs in diesem Jahrtausend immer mindestens bis ins Halbfinale vorgedrungen ist. Dieses Foul und seine Folgen sind zu krass für mich.
Zuniga ist für das Foul nicht belangt worden, was ein trauriges Wunder ist. Wenn ein Beißer wie Luis Suárez für seine Attacke (gut, er war Wiederholungstäter) neun Spiele aufgebrummt kriegt, dann müsste man Zuniga mindestens genauso hart belangen. Ich unterstelle ihm keine Absicht, nur frage ich mich, was er in der Situation vorgehabt hat. Dass Neymar den Ball abschirmt, ist doch völlig logisch, das macht fast jeder in der Szene so. Zuniga hatte keine Chance an den Ball zu kommen, schon gar nicht mit so einem Sprung.
Bis jetzt schweigen die Gremien, aber ich hoffe im Sinne der Gerechtigkeit, dass es eine Strafe geben wird. Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan. Nicht bei einem Wirbelbruch in dieser Phase des Turniers.
Klar, waren die Kolumbianer die bessere Mannschaft und Brasilien hatte viel Glück. Doch dieses 2:1 geht aufgrund der Umstände in Ordnung. Mein Vater schrieb in einer SMS "irgendwann muss Brasiliens Glück mal aufgebraucht sein". Vielleicht hat er nicht ganz Unrecht. Anzeichen dafür gibt es schon: die unnötige und dumme gelbe Karte für Thiago Silva, das Gegentor per Elfer und Neymars Aus. Vielleicht endet die Glückssträhne in diesem Halbfinale am Dienstag.
Dort geht es gegen eine Mannschaft, die ihr Image wieder aufpoliert hat. Gegen eine Mannschaft, die eine Spielphilosophie und Ordnung hat. Wo mehr Mannschaftsspiel erkennbar ist und nur eine geringe bis gar keine Abhängigkeit von Einzelspielern zu sehen ist. Die Jungs müssen die Gelegenheit "nur" beim Schopfe packen.
Und eins zu Neymar noch: diejenigen, die meinten; Neymar sei ein Zirkusspieler, sind genau die, die ihn hart attackiert haben. Es scheint, als wäre das eine lose Floskel und man hat Respekt bis Angst vor diesem Ausnahmekönner. Ich wünsche Neymar jr. gute Genesung und euch ein schönes Wochenende!
Man wusste sofort: der kann nicht mehr weiterspielen. Und jetzt wissen wir: er wird einen Wirbelbruch auskurieren müssen und längere Zeit kein Fußball mehr spielen können.
Viel hat Neymar im Turnier einstecken müssen im Turnier. Immer und immer wieder Tritte gegen das Bein oder auch Bodychecks. Er fällt leicht und meist spektakulär, selbst wenn der Gegenspieler klar den Ball spielt. Ich bin kein großer Fan von ihm, um ehrlich zu sein. Aber diese Szene gestern hat mich erschüttert und ich kann mich nicht so wirklich über den Einzug der deutschen Mannschaft in das Halbfinale dieser WM freuen. Auch wenn es historisch ist, weil niemand außer Deutschland bei allen WMs in diesem Jahrtausend immer mindestens bis ins Halbfinale vorgedrungen ist. Dieses Foul und seine Folgen sind zu krass für mich.
Zuniga ist für das Foul nicht belangt worden, was ein trauriges Wunder ist. Wenn ein Beißer wie Luis Suárez für seine Attacke (gut, er war Wiederholungstäter) neun Spiele aufgebrummt kriegt, dann müsste man Zuniga mindestens genauso hart belangen. Ich unterstelle ihm keine Absicht, nur frage ich mich, was er in der Situation vorgehabt hat. Dass Neymar den Ball abschirmt, ist doch völlig logisch, das macht fast jeder in der Szene so. Zuniga hatte keine Chance an den Ball zu kommen, schon gar nicht mit so einem Sprung.
Bis jetzt schweigen die Gremien, aber ich hoffe im Sinne der Gerechtigkeit, dass es eine Strafe geben wird. Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan. Nicht bei einem Wirbelbruch in dieser Phase des Turniers.
Klar, waren die Kolumbianer die bessere Mannschaft und Brasilien hatte viel Glück. Doch dieses 2:1 geht aufgrund der Umstände in Ordnung. Mein Vater schrieb in einer SMS "irgendwann muss Brasiliens Glück mal aufgebraucht sein". Vielleicht hat er nicht ganz Unrecht. Anzeichen dafür gibt es schon: die unnötige und dumme gelbe Karte für Thiago Silva, das Gegentor per Elfer und Neymars Aus. Vielleicht endet die Glückssträhne in diesem Halbfinale am Dienstag.
Dort geht es gegen eine Mannschaft, die ihr Image wieder aufpoliert hat. Gegen eine Mannschaft, die eine Spielphilosophie und Ordnung hat. Wo mehr Mannschaftsspiel erkennbar ist und nur eine geringe bis gar keine Abhängigkeit von Einzelspielern zu sehen ist. Die Jungs müssen die Gelegenheit "nur" beim Schopfe packen.
Und eins zu Neymar noch: diejenigen, die meinten; Neymar sei ein Zirkusspieler, sind genau die, die ihn hart attackiert haben. Es scheint, als wäre das eine lose Floskel und man hat Respekt bis Angst vor diesem Ausnahmekönner. Ich wünsche Neymar jr. gute Genesung und euch ein schönes Wochenende!
Abonnieren
Posts (Atom)