Hi Leute!
Pünktlich melde ich mich aus meiner Schaffenspause - mitten in einer Schaffenspause. Oder so ähnlich... Ich hab' viel zu tun - der Jahresendstress hat auch bei mir Einzug gehalten.
Dennoch habe ich mir für den Blog etwas vorgenommen: soweit irgendwie möglich, versuche ich eine wöchentliche Serie zu produzieren unter dem Motto "was am Wochenende so geschah".
Ich picke mir meine persönlichen Highlights heraus - ganz gleich welcher Art auch immer sie sein mögen - und schreibe eine kleine Rückschau. Heute ist es also Zeit für Teil 1. Ich wünsche euch sehr viel Spaß und kommt gut in die neue Woche!
Der Wind, der Wind, das himmlische Kind:
Als Skisprungfan war es ein Wochenende zum Vergessen. Und als Studentenzimmerkommentator noch viel mehr. Ich habe mir meine Aufzeichnung noch nicht angehört, war aber gestern Abend schon völlig frustriert. Und heiser. Und mir graut es weiterhin davor, mir alles anzuhören. Aber da muss ich durch. Wie auch die 43 Springer, die gestern in unfairen bis irregulären Bedingungen die nun auch nicht gerade kleine Schanze in Ruka hinuntergegangen sind. Gott sei Dank ist da nichts Schlimmeres passiert und es ist keiner zu Schaden gekommen. Aber um ein Haar wären drei/vier Athleten beinahe "abgeschmiert", um es auf gut-deutsch zu sagen. So reisen also alle Springer ohne ein Ergebnis aus Ruka ab. Ebenso die Nordischen Kombinierer, denen der Wind ebenfalls einen Strich durch den Weltcup-Auftakt machte. Somit relativierte sich der Shitstorm gegenüber dem ersten Ausrichter Klingenthal doch weitestgehend. Letzte Woche wurde Ruka für die Schneesituation gelobt, während in Klingenthal die Nacht durchgearbeitet wurde. Heute wissen wir: in Klingenthal gab es zwei Springen, in Ruka keines.
Pleiten, Pech und Pannen in Berlin:
Ich predige seit Saisonbeginn der 2. Bundesliga permanent eine selbst erfundene Weisheit: "das Gemeine am Arminia-Fan-Sein ist folgendes: du kennst alles, was passiert. Vorbereitet bist du trotzdem darauf nicht". Und so war es auch am Samstagnachmittag. Zwei Aluminiumtreffer schon in der ersten halben Stunde für Eisern Union und dann ein selten dämliches Gegentor nach einer Ecke, bei der Keeper Wolle Hesl sich leider diletantisch anstellt und in C-Jugend-Manier wegblocken lässt. Ich hatte seit Saisonbeginn das schon fast vergessene ungute Gefühl, sobald Flanken durch den 5er gesegelt kamen, welche nie vom Mann in Textmarker-gelb oder weiß abgefangen wurden. Da war der Herr, der in der letzten Saison so famos gehalten hat, doch 'ne halbe Liga besser. Zudem spielten wir in Hälfte eins komplett ohne rechten Mittelfeldspieler. Flo Dick, nominell Rechtsverteidiger musste somit diese Außenbahn alleine abgrasen und dementsprechend weite und meist unnötige Wege gehen. Und noch schlimmer (auch ein seit Serienbeginn währendes Problem): der gleiche Mann rennt von einer Seite zur Anderen, um dort Eckbälle und Freistöße auszuführen. Was ist mit Tom Schütz, der auch direkte Freistoßtore erzielt hat? Brian Behrendt könnte dies genauso gut, übrigens...
Aber das waren ja nur Kleinigkeiten bei einer in der ersten Halbzeit unterirdischen Leistung. Dass man aber dank eines Kopfballs von Man of the Match Manuel Hornig, der von Union-Mann Parensen
ins eigene Tor gelenkt wurde, noch den Ausgleich erzielen und einen Punkt holen konnte, war das Beste an diesem Spiel. Dieses Spiel darf, nein, muss man gewinnen. Union war (leider) genauso unfähig in allen Belangen und noch dazu sind sie immer noch direkte Konkurrenten des DSC. Und diese berühmten 6-Punkte-Spiele sollte man nach Möglichkeit gewinnen. Aufsteigerstatus hin oder her. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
Typisch Deutsch:
Kritik ist das, was der Deutsche liebt. Ich ja auch, muss ich zugeben. Doch im Falle einer Deutschen Olympia-Bewerbung sehe ich von jetweder Kritik ab, denn Olympia sollte man als Sportfan als Chance begreifen. Gerade in Hamburg, das ja nun bis dato nicht die Crème de la Crème an Sportereignissen zu bieten hatte. Doch das Thema hat sich seit heute erledigt, die Bürger stimmten mit Mehrheit gegen die Bewerbung. Ich halte es mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der vor dem Referendum kundtat: "Eine Ablehnung wäre eine große verpasste Chance für den deutschen Sport". Mehr kann man dazu fast nicht ergänzen. Man warnte vor den Folgen, die das deutsche Sportsystem (ebenfalls vielfach, teils auch zurecht, kritisiert) träfen, würde man sich nicht bewerben, respektive die Spiele an Land ziehen. Wie genau die aussehen, wird sich zeigen. Fest steht nur: einige Sportarten und Sportler werden in Zukunft noch mehr zu kämpfen haben als eh schon. Das hat die gescheiterte Mission "München2022" gezeigt. Wie immer geht es ums Geld. Und davon wird es nach dieser Entscheidung weniger geben. Spitzensport, ich mache mir Sorgen um dich!
Das Ende einer Ära:
Einige von euch wissen es, Andere wiederum nicht - ich habe ukrainische Wurzeln. Und deshalb schlägt mein Herz ab und an mal auch höher, wenn ukrainische Sportler im Mittelpunkt stehen. So geschehen bei den Box-Brüdern Volodymyr (Wladmir) und Vitaliy (Vitali) Klitschko. Der eine ein sehr guter Schwergewichtsboxer und politisch engagiert (Vitali), der Andere der wohl Beste seines Fachs und Knock-Out-König. Ich habe nahezu jeden Kampf der Beiden gesehen, sobald es irgendwie (auch schlaftechnisch ging). Und zumindest Wladimir war für mich immer das Maß der Dinge. Seine Art zu Boxen, sich die Gegner zurechtzulegen und irgendwann auf die Bretter zu schicken, war schon etwas besonderes. Da boxt einer mit Hirn und dazu noch echt gut. Den Klitschkos wurde die Dominanz eines dem FC Bayern würdig angelastet. Doch viele vergaßen dabei auch, dass es einfach keine gleichwertigen Boxer gab. Viele der Gegner waren schlicht und ergreifend das viel zitierte Fallobst. Die Lästerer sagten dann, es wäre ja dann auch kein Wunder, dass viele von ihnen KO gingen. Mag sein, aber so viel wie besagtes Fallobst trotzdem einstecken konnte, führt eben nicht automatisch zum Knock-out.
Wie dem auch sei: bis zum Kampfbeginn war es das typische Treiben rund um einen Klitschko-Kampf. Der Gegner spuckte große Töne, sorgte für Verzögerungen und fiel vor allem durch provozierendes Verhalten auf. Auch während des Kampfes. Doch schon während der ersten Runden wurde klar: der Junge kann Klitschko heute ein Schnippchen schlagen. Und so kam es ja dann auch. Wladimir war seltsam passiv und abwartend und vor allem taktisch nicht clever genug. Tyson Fury setzte einige Schläge sicher ins Ziel und verpasste Wladimir zwei Veilchen und siegte in eindeutigem Punkteurteil. Ich hätte den Kampf über schon die Möglichkeit gehabtm mich mit dem Gedanken anzufreunden, jedoch traf mich das Urteil wie ein Schlag. Eine kleine Sportwelt brach für mich zusammen. Ich muss ehrlich gestehen: ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in meinem Leben (auch angesichts des fortgeschrittenen Alters) von Wladimir eine Niederlage live mit ansehen würde. Doch so kam es und damit müssen sich Wladimir und seine Fans, zu denen ich mich zähle, anfreunden. Doch, wie sangen schon die Toten Hosen? "Steh auf, wenn du am Boden liegst!"
Das wird Wladimir tun und ich gewissermaßen auch. Allerdings erst nach Anhören meines Kommentars. Denn dieser schickt mich ja erst auf den Boden. Ich nehme es mit Humor und versuche es am kommenden Wochenende von Donnerstag bis Sonntag bei den Skispringen in Lillehammer besser zu machen :)