Samstag, 5. Juli 2014

Wenn auf einmal nicht mehr Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht

Es war die 88. Minute im Spiel Brasilien gegen Kolumbien. Ein Zweikampf, ein Tritt, ein Schmerzschrei, ein Schock. Mit hohem Tempo und unglaublicher Wucht sprang der Kolumbianer Zuniga Brasiliens Hoffnungsträger Neymar in den Rücken. Dieser blieb regungslos liegen, hatte die Hand vor Augen, ein schmerzverzerrtes Gesicht, Tränen überströmten sein Gesicht.
Man wusste sofort: der kann nicht mehr weiterspielen. Und jetzt wissen wir: er wird einen Wirbelbruch auskurieren müssen und längere Zeit kein Fußball mehr spielen können.

Viel hat Neymar im Turnier einstecken müssen im Turnier. Immer und immer wieder Tritte gegen das Bein oder auch Bodychecks. Er fällt leicht und meist spektakulär, selbst wenn der Gegenspieler klar den Ball spielt. Ich bin kein großer Fan von ihm, um ehrlich zu sein. Aber diese Szene gestern hat mich erschüttert und ich kann mich nicht so wirklich über den Einzug der deutschen Mannschaft in das Halbfinale dieser WM freuen. Auch wenn es historisch ist, weil niemand außer Deutschland bei allen WMs in diesem Jahrtausend immer mindestens bis ins Halbfinale vorgedrungen ist. Dieses Foul und seine Folgen sind zu krass für mich.
Zuniga ist für das Foul nicht belangt worden, was ein trauriges Wunder ist. Wenn ein Beißer wie Luis Suárez für seine Attacke (gut, er war Wiederholungstäter) neun Spiele aufgebrummt kriegt, dann müsste man Zuniga mindestens genauso hart belangen. Ich unterstelle ihm keine Absicht, nur frage ich mich, was er in der Situation vorgehabt hat. Dass Neymar den Ball abschirmt, ist doch völlig logisch, das macht fast jeder in der Szene so. Zuniga hatte keine Chance an den Ball zu kommen, schon gar nicht mit so einem Sprung.
Bis jetzt schweigen die Gremien, aber ich hoffe im Sinne der Gerechtigkeit, dass es eine Strafe geben wird. Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan. Nicht bei einem Wirbelbruch in dieser Phase des Turniers.
Klar, waren die Kolumbianer die bessere Mannschaft und Brasilien hatte viel Glück. Doch dieses 2:1 geht aufgrund der Umstände in Ordnung. Mein Vater schrieb in einer SMS "irgendwann muss Brasiliens Glück mal aufgebraucht sein". Vielleicht hat er nicht ganz Unrecht. Anzeichen dafür gibt es schon: die unnötige und dumme gelbe Karte für Thiago Silva, das Gegentor per Elfer und Neymars Aus. Vielleicht endet die Glückssträhne in diesem Halbfinale am Dienstag.
Dort geht es gegen eine Mannschaft, die ihr Image wieder aufpoliert hat. Gegen eine Mannschaft, die eine Spielphilosophie und Ordnung hat. Wo mehr Mannschaftsspiel erkennbar ist und nur eine geringe bis gar keine Abhängigkeit von Einzelspielern zu sehen ist. Die Jungs müssen die Gelegenheit "nur" beim Schopfe packen.
Und eins zu Neymar noch: diejenigen, die meinten; Neymar sei ein Zirkusspieler, sind genau die, die ihn hart attackiert haben. Es scheint, als wäre das eine lose Floskel und man hat Respekt bis Angst vor diesem Ausnahmekönner. Ich wünsche Neymar jr. gute Genesung und euch ein schönes Wochenende!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen