Die WM ist nun also Geschichte und Gary Linekers Zitat von dem Spiel mit dem Ball, den 22 Herren und Deutschland als Sieger ist einmal mehr wahr geworden.
Ein großer historischer Moment ist eingetreten, auf den wir alle gehofft und gewartet haben. "Es wurde Zeit!", haben viele gesagt. Ich auch - denn die ältesten Spieler (mit Ausnahme WM-Rekordtorschützen) waren im besten Fußballeralter und sie haben alle Höhen und Tiefen des Fußballs mitgemacht.
Man hat ihnen vorher eine gewisse Reife attestiert, was auch absolut richtig ist. 2008 waren die meisten der Generation Lahm - Schweinsteiger - Podolski - Mertesacker gerade einmal aus dem Sommermärchen-Boygroup-Alter raus. Und mit der Mannschaft es bis ins Finale der Europameisterschaft zu schaffen war schon ein großartiger Erfolg.
Zurecht wurden sie damals schon in Berlin von Hunderttausenden empfangen und bejubelt. 2010 war doch im Vorfeld die reine Katastrophe angekündigt: die Wade der Nation, Michael Ballack verletzt! Kaputtgetreten von Aggro-Prince Boateng - den ich nie als solchen empfunden habe. Und dann noch die Verletzung von René Adler, die Nummer 1 auch raus! Wen interessiert's denn heute noch?!
Im Grunde hat da alles angefangen, was in dieser Weltmeisterschaft DAS Plus dieser Mannschaft war: Teamgeist. Das war übrigens auch der Name des WM-Balles 2006. Zufall oder Schicksal?
Das Turnier in Südafrika war kein leichtes. Im Grunde hätte es da schon klappen können, denn der Verlauf war in etwa gleich. Man ist mit Sami Khedira als einem der Spieler des Turniers im Halbfinale an Spanien gescheitert. An einer Mannschaft, die es so schnell nicht mehr wieder geben wird. Die - man kann sagen - langweilig, perfekten und ausgeklügelten Fußball gespielt haben.
Thomas Müller wurde Torschützenkönig. Ja, wer bitte kannte im Jahr vorher Thomas Müller? Ich kannte ihn zufällig, weil ich ihn 2-3 Jahre zuvor bei einem Drittliga-Spiel in Paderborn habe kicken sehen. In der Innenverteidigung damals bei Bayern II übrigens Holger Badstuber. An den wurde auch bei allen Feierlichkeiten gedacht - beeindruckenderweise und meiner Ansicht nach auch zurecht. Denn der Junge wäre ohne einen und erst recht ohne beiden Kreuzbandrisse nach Brasilien mitgefahren.
2012 war eines der besten und härtesten Turniere der neuen Ära Fußball, wenn nicht sogar der gesamten Geschichte. Todesgruppe! Alle Mannschaften in der deutschen Gruppe B in den Top 10 der Weltrangliste.
Bis zum Halbfinale souverän durchgespielt. Und dann verzockt sich Löw und trifft auf genial-eiskalte Italiener, die Balotelli an einem Super-Tag in ihren Reihen haben.
Klar, das war bitter. Aber meiner Ansicht nach hat sich Löw verzockt, weil er es eben anders gemacht hat als 2010 und 2008 und eben sich nicht auf die Stärken seines Teams besinnt hat. Er hat dem Ausschlussprinzip getraut und es ist schief gegangen. So ist die Welt.
Und wie viele haben sich noch aufgeregt, dass er im Vorfeld der WM (nach der perfekten Quali) den Vertrag bis 2016 verlängert hat? Viele wollten ihn doch schon loswerden oder sagten typisch deutsch: "der soll erstmal Weltmeister werden, dann kann er immer noch verlängern!"
Und da steckt etwas drin, was mich stirnrunzelnd zurücklässt: wieso gibt man dem Trainer keine Zeit?
Jetzt hat er es gepackt und ist auf einmal Everybody's darling - so schnell geht das. Und wenn er dann in der EM im Achtel- oder Viertelfinale rausfliegt, wird er wieder verteufelt.
Die Öffentlichkeit, das heißt Medien und Volk, sollten sich einig werden, was sie denn wollen. Und deswegen liebe ich einen Per Mertesacker, der eben auch mal sagt, was Sache ist: "wollen Sie geilen Fußball sehen und im Viertelfinale rausfliegen oder Weltmeister werden?"
Ich habe schon immer gesagt, dass der Erfolg primär ist und nicht die Spielweise. Man schaue sich doch die Weltmeistertitel an, die wir geholt haben bisher (also wir = Deutschland):
1954: ein eingeschworenes Team, das gegen die besten Fußballer dieser Generation gewinnt. Die Ungarn wollten die Deutschen doch vorführen. Sie wollten zeigen, wie himmelweit der Unterschied ist und haben nun mal vergessen, dass Fußball - Phrasenschwein - Ergebnisspiel ist. Und Sepp Herbergers Leistung als Trainer ist gar nicht hoch genug zu bewerten
1974: grandioses Turnier von Sepp Maier im Tor, ohne den wäre nix gelaufen. Kleines dickes Müller war immer am richtigen Ort, aber im Finale? Da waren die Niederländer besser, genau wie die Ungarn '54. Pures Glück wäre zu hart gesagt, aber das kann auch anders laufen.
1990: ausgeglichenes Finale gegen die Argentinier. Die halbe Mannschaft war da an ihrem Leistungszenit und Lothar Matthäus war überragend im gesamten Turnier. Ein fragwürdiger Elfer und die coole Socke Andi Brehme besorgten den Titel.
Unterm Strich: kein Finalsieg mit mehr als einem Tor Unterschied. Noch Fragen? Wir sind keine Künstlernation, sondern das, was Millionen von Bundestrainern predigen: diese Turniermannschaft. Aber man sollte sich selber mal zuhören und vor allem auch glauben und verinnerlichen, was man denn so erzählt.
Whatever! Wir sind Weltmeister, wir haben den Pott und die anderen nicht. Und da sollte man auch so feiern dürfen, wie man will. Wer weiß denn, ob die Mannschaften, die gegen uns die paar Finals gewonnen haben, nicht auch was hämisches gesungen haben? Dieses #Gauchogate war weder rassistisch noch beleidigend. Ich verstehe diese Aufregung nicht. Solche Dinge sind doch alltäglich und man kann doch in der Situation nicht erwarten, dass sich alle unter Kontrolle haben und ultrakorrekt sind. Das will doch auch keiner sehen, wenn man mal ehrlich ist. Dann darf man auch nicht "ohne Holland fahren wir zur WM/EM" singen.
Was wollte ich jetzt eigentlich noch...ach ja, genau! Morgen soll's den ersten von 2-3 Rückblicksteilen zur WM geben. Darin: was waren das für Spiele, die unsere Jungs bestritten haben? Wie war der Turnierverlauf? Und: warum ist es logisch, dass Deutschland Weltmeister geworden ist?
In diesem Sinne, bis morgen!
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