In dem Wust-Wechselspiel von Arbeitsalltag und WM-Spielen kommt man ja zu nichts mehr und fühlt sich schuldig, weil man nicht in üblicher Form von sich hören lässt.
Aber das Spiel Italien gegen Uruguay lässt mir - dem Sportfreak - keine Wahl.
Zunächst einmal möchte ich nicht falsch verstanden werden. Klar, bin ich Deutscher und habe natürlich keine gänzlich neutrale Sicht auf die Rivalität ob des vermeintlichen Fluches, der auf der deutschen Fußballnationalmannschaft lastet sobald es gegen die Azzurri geht. Doch im Gegensatz zu wahrscheinlich den meisten Deutschland-Fans empfinde ich keine Freude darüber, dass die Italiener jetzt aus dem Turnier geflogen sind. Das ist auch ganz einfach zu erklären:
1. wünsche ich selbst meinem ärgsten Feind nichts Böses und die Italiener sind alles andere als mein ärgster Feind. Ich liebe das Land und die allermeisten Erfindungen, die dieses Land hervorgebracht hat.
2. die Italiener sind klar benachteiligt worden und das Spiel hätte ohne Einfluss des Schiedsrichters einen gänzlich anderen Verlauf genommen und
3.: an diejenigen, die jetzt sagen "jetzt wird der Weg zum Titel viel leichter!" Nein, das wird er nicht! Wer Weltmeister werden will, muss jede Mannschaft schlagen. Ganz gleich ob es San Marino oder die Italiener sind. So sind die Regeln dieses Wettkampfes und jede Mannschaft kann zum Stolperstein, wenn man nicht ausreichend genug - egal ob taktisch, physisch oder psychisch - auf ihn (den Gegner) und das Turnier vorbereitet ist. Die Rechnung ist ganz einfach.
Zum Spielverlauf noch ein paar Dinge. Den eigentlichen Ausgang nahm die Szenerie ja mit der roten Karte für Claudio Marchisio. Ich habe die Szene jetzt mehrfach aus verschiedensten Kamerawinkeln angeschaut und bin mir immer noch sehr unsicher. Böse Absicht wäre ein Thema, aber die unterstelle ich dem Turiner keineswegs. Nur ist seine Fußbewegung alles andere als normal und hat so gesehen auch nichts mit dem Ball zu tun. Er trifft den Uruguayer fast auf Höhe des Knies und da ist der Ball nun mal nicht - sondern am Boden. Ich könnte mich mit mir selbst auf die bekannte Floskel "hart, aber vertretbar" einigen. Ich hätte nur gerne gewusst, wieso der Schiedsrichter erst nach der ersten kleineren Rudelbildung die rote Karte gezückt hat und nicht direkt, wenn er doch das Vergehen geahnt hat. Vermutlich werden wir es nie erfahren.
Thema Nummer Zwei spricht ebenfalls noch für die Celeste, denn: in der einen Szene, wo Cavani aus dem Abseits gepfiffen wurde, stand er gar nicht im Abseits. Die plumpe Schwalbe danach revidiert das allerdings dann schon wieder, womit der Fall dann auch erledigt wäre.
Über den Biss von Luis Suárez (warum muss der mein Namensvetter sein?) nur so viel: ich habe Respekt vor der Leistung dieses Kerls und finde seine Lebensgeschichte sehr bemerkenswert. Aber, dass er lange im Ghetto leben musste, keinen Halt hatte und aus ramponierten Familienverhältnissen stammt, berechtigt ihn in keinster Weise zu solchen Ausfälligkeiten wie dem mittlerweile dritten Biss in ein Körperteil seines Gegenspielers. Und dass der Schiedsrichter das nicht ahndet und sich 0,0 für Chiellinis Gestik und das Zeigen der Bisswunde interessiert ist ein No-Go.
Wenn es nach mir ginge, dürften sowohl der Schiedsrichter als auch Luis Suárez nicht mehr an dieser WM teilnehmen, weil sich beide diskreditiert haben.
Ach ja, P.S.: wer meint, die Italiener seien unfair und Provokateure und was ihnen nicht sonst noch alles unterstellt wurde, der wurde durch das Interview von Gianluigi Buffon nach dem Spiel eines Besseren belehrt. Er sagte, er wisse nicht, woran es heute gelegen hätte. Und entgegen des Mainstream-Verhalten kloppt er nicht auf den Schiedsrichter ein und sucht Fremde als Schuldige raus.
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